



Als der französische Präsident Nikolas Sakozy kürzlich die Eröffnungsrede für das WEF durchführte, nervte mich ein zentraler Punkt seiner Theorien ganz besonders. Sarkozy sprach von einem ‘entarteten Kapitalismus’ und rief in die Runde, “welchen Kapitalismus wollen wir?”
Ich frage aber nicht nach Varianten des Kapitalismus, vielmehr ob dieser in Zukunft noch überlebensfähig ist und er nicht bereits im Kern für das Überleben der Menschheit kontraproduktiv wirkt.
Sakozy liess keinen Zweifel daran aufkommen, dass ‘Der Kapitalismus’ die einzig mögliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung für die Menschheit sei. Sarkozy führte aber weiter aus, dass wir in eine Globalisierungskrise geraten wären und als Gegenmassnahme ‘die Politik’ regulierend in den Markt eingreifen müsse.
Der Artikelschreiber auf Wikipedia schreibt jedoch über den Kapitalismus: “Eine uneingeschränkte Parteinahme für den Kapitalismus, wie die Verwendung des Begriffs als positiv besetzte Eigenbezeichung, ist mit Ausnahme einiger libertärer Gruppierungen eher selten.”
Dies mag stimmen, aber die folgende Aussage auf der deutschen Wikipedia möchte ich doch stark relativieren: “Trotz der politischen Gegnerschaft wurde in zentralen marxistischen Schriften, so dem Manifest der Kommunistischen Partei, die bedeutende Rolle des Kapitalismus wie der ihn tragenden Schicht, dem Bürgertum, bei der Ausweitung der weltweiten Wirtschaftsproduktion und der Überwindung regionaler Grenzen anerkannt.”
Aus den Arbeiten von Marx ist zu ersehen, dass dieser Alternativen zum Kapitalismus durchaus für möglich hält, sofern (eine damals noch nicht vorhandene) technologische Entwicklung einen Übergang in ein neues marktwirtschaftliche Gesellschaftssystem ermögliche. Diese Aussage war ja mithin auch ein Grund für die kommunistischen Revolutionäre, zu Beginn des 20 Jahrhunderts einen Umsturz gegen das Bürgertum zu versuchen.
Das Scheitern der UDSSR, gerade auch aus wirtschaftlichen Gründen, so hatte ich im letzten Blog-Artikel erklärt, führte aber den Kapitalimus geradezu dahin wie ihn Sarkozy nun bedauert. Der vermeindliche ‘Endsieg’ des Kapitalismus über den Sozialismus im Rahmen des Zusammenbruch der UDSSR, stellt sich spätestens nach den Ereignissen von 2008 als ‘Trugschluss heraus.
Was kaum jemand noch bestreiten kann, die Rettung der Finanzmärkte geschah über Massnahmen, die mit Kapitalismus nichts zu tun hat. Selbst führende Ökonomen hatten die Rettung der Banken als ‘Sozialismus für Reiche’ beschrieben, andere sprachen schon vom Ende des Kapitalismus der gekommen wäre. Interessant in dieser Beziehung war im September 2008 ein Artikel in der konservativen Zeitung ‘Die Welt’, in welcher der Neoliberalismus mit dem Kapitalismus gleichgesetzt wird. “Freier Markt, was nun? Ist die Finanzkrise das Ende des Neoliberalismus – oder nur ein vorübergehender Einbruch? “
Aus meiner Sicht ist der Kapitalismus aus einem ganz anderen Grund am Ende, weil er nämlich derzeit nur noch in der Lage ist eine nach ethischen Grundsätzen ungerechte Vermögensverteilung zu erreichen. Ursache dafür ist eine für den Kapitalismus gefährliche Wachstumsgrenze, welche aus rein physischen Realitäten nicht zu überschreiten ist.
Das Ende des Kapitalismus kann hingegen kaum über Nacht kommen, so wie wir den Zusammenbruch der UDSSR, oft auch mit genüsslichem Schauer, life am Fernsehen mitverfolgen konnten. Das Wachstumspotential in China (übrigens ein kommunistisches Regime) ist noch nicht ausgeschöpft und auch in Afrika gibt es noch Expansionsmöglichkeiten für den Kapitalismus. Die inzwischen globalisierte und mächtige neoliberale Finanzlobby wird aber einen immer anstrengenderen Krieg führen müssen gegen vermehrt rebellierende Bevölkerungsgruppen in immer mehr Nationalstaaten.
Der Kapitalismus, weil inzwischen durchgehend globalisiert, wird sich durch Regulierungsmassnahmen nationaler Regierungen kaum bessere soziale Verhältnisse schaffen, die Staatsschulden werden vom Markt weiterhin unter rein kapitalistischen Gewinnstrategien verfolgt werden. Selbst die mächtige USA werden kein Mittel mehr haben, ihre Schulden abzubauen und auch die Chinesen sind indirekt über ihre US$-Reserven und internationalen Verflechtungen wirtschaftlich vom Schicksal der verschuldeten Nationen abhängig.
Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise ab Ende des Jahres 2007 in den USA, 2008 dann Weltweit, wurde noch immer keine international einheitliche Finanzmarktregulierung geschaffen. Diesen Umstand bedauert auch Sarkozy, aber ein Termin für das angemahnte ‘neue Bretton Woods’ gibt es nicht.
Was aber zu beobachten war, dass ist der Wiederaufstieg der Neoliberalen, welche über die Finanzlobby und eben Kraft der Stärke des Kapitalismus solange immer wieder eine Hoheit in der Politik erringt, wie der Kapitalismus selbst als das vorherrschende Gesellschaftsmodell existiert.
Auf der anderen Seite, den Gegenern des Kapitalismus, herrscht leider scheinbar oft eine gähnende Leere, wenn es darum geht Alternativen zu suchen. Ein Grund für diese empfundene Leere ist wiederum selbst in den Mechanimsmen des Kapitalismus zu suchen und dessen Einfluss auf die Medien. Wie zu beobachten ist, lassen die Medien nur gerade während den schlimmsten Krisenzeiten Kapitalismus-Kritiker zu Wort kommen. Gegenüber solchen Ökonomen und Sozialethikern, die Alternativen zum Kapitalismus beschreiben, herrscht auch in höchster Not noch weitgehendes Stillschweigen. Redakteure von konservativen Zeitungen, wie im verlinkten Beitrag auf der Welt der Kolummnist Herr Eckhard Fuhr, übernehmen dann stellvertretend für die Fragen der Leser den Part des Spielverderbers, nicht aber ohne diesen über einen aufgebotenen neoliberalen Gegenpart zu karikieren.
Wenn eine bestimmte Wachstumsgrenze für den Kapitalismus überschritten ist, welcher bisher durchaus soziale Fortschritte in der breiten Gesellschaft des Westens auszulösen vermochte, so funktioniert er trotzdem noch weiter, weil er in der Form eines Vermögensumverteilungsorgans weiterhin arbeitet. Diese Form der Expansion wird von Sarkozy als ‘entartet’ beschrieben, ohne dass er zu verstehen scheint, warum dies geschieht und weshalb es weiterhin geschehen wird.
Der Planet Erde besitzt grosse Vorräte natürlicher Ressourcen die bisher für den Menschen, aber eben auch für den Kapitalismus, in unbegrenzter Form zur Verfügung zu stehen schien. Für den Kapitalismus, dies hat bereits Karl Marx entdeckt, rechnet der ‘freie Markt’ aber nur mit Kosten für menschliche Arbeit.
Öl kostet im Kapitalismus soviel, wie die menschliche Arbeit die dazu notwendig ist um es zu fördern.
Erdöl selbst, aber auch Wälder, Luft, Wasser usw. sind keine Preis bestimmenden Werte im Kapitalismus, genausowenig wie die Menge des Vorkommens in der Zukunft relevant wäre zur aktuellen Preisberechnung. Der Preis von Erdöl ist immer so hoch wie die Arbeit des Menschen kostet um es zu fördern; so berechnet wird es immer Erdöl geben, nur die Zahl der Menschen die sich Erdöl leisten können nimmt ab. Für den Kapitalismus ist dies irrelevant, ebenso die dadurch ausgelöste zusätzlich verursachte Umweltverschmutzung infolge agressiverer Abbaumethoden. Nachhaltigkeit kann nur über politische Regulierung eingepreist werden, die zu kapitalistischen Berechnungen angehaltene Privatwirtschaft kann aus Wettbewerbsgründen Nachhaltigkeit in ihr Verhalten kaum einbeziehen.
Versuche den Wert unserer natürlichen Ressourcen in die Kostenberechnungen miteinzubeziehen, bedürfen eines globalen Abkommens. Der bereits globalisierte Kapitalismus arbeitet jedoch entgegen den Bedürfnissen der Menschen, beispielsweise die Erdatmosphäre gegen Klimaerwärmung zu schützen. Weil im Kapitalismus die Vermögen immer ungleich verteilt werden, sie ständig auch dorthin fliessen wo der ‘freie Markt’ noch am wenigsten reguliert ist, daher sind die Klimaverhandlungen derart schwierig. Die seit den 70er-Jahren stetig ansteigende Verarmung in der Welt deutet ebenfalls auf die Wachstumsgrenze des Kapitalismus hin, nachdem dieser einem Teil der Menschheit in der Vergangenheit durchaus Wohlstand verschafft hatte. Weltweit müssen 1,5 Milliarden Menschen mit einem Tagesverdienst unter 1,5 US$ auskommen, Tendenz steigend.
Aus meiner Sicht ist der Kapitalismus, als ein die sozialen Fortschritte der Menschheit förderndes marktwirtschaftliches Gesellschaftssystem, infolge der Wachstumsgrenzen auf diesem Planeten klinisch tot. In der Vergangenheit vermochte er einem Teil der Menschheit Wohlstand und technologische Entwicklung zu bringen, er verlängerte die Lebenszeit vieler Menschen über medizinische Fortschritte, welche ohne ‘freien Markt’ in dieser Geschwindigkeit kaum vorstellbar gewesen wäre.
Der Kapitalismus kann jedoch überwunden werden, indem anstelle des wertneutralen Geldes ein Zahlungsmittel verwendet wird in welchem Nachhaltigkeit miteinberechnet ist. Ansätze dazu gibt es im CO2 - Kostenaustausch zwischen den verschiedenen Verbrauchermärkten. Nicht nur der Finanzmarkt sollte reguliert werden, sondern vielmehr das Zahlungsmittel Geld direkt reformiert werden. Die Entlöhnung der Menschen sollte direkt anhand der drei Säulen ökologischer Nachhaltigkeit, ökonomischer Nachhaltigkeit und sozialer Nachhaltigkeit erfolgen. Im Prinzip ist man in der CO2-Debatte auf dem richtigen Weg, ohne dass dort aber die Neutralität des Geldes selbst, gegenüber der Nachhaltigkeit, angetastet wird. Man erhält Geld bisher, wenn man für einen Arbeitgeber arbeitet, aber man erhält nichts wenn man im Sinne der Nachhaltigkeit produziert!
Damit muss in Zukunft Schluss sein,
Geld sollte nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit fliessen und nicht über Allem im Sinne der Gewinnoptimierung von Spekulanten.
Um einen geordneten Übergang zum bestehenden Kapitalismus zu erreichen, schlage ich die Schaffung eines Steuersystems vor, welcher einen Ausgleich der Löhne zwischen nicht nachhaltiger Arbeit und nachhaltiger Arbeit erlaubt. Die technologischen Möglichkeiten. von welchen Karl Marx noch geträumt hat, sie wären Heute vorhanden um den Kapitalismus endgültig zu beseitigen. Banker Tyranosaurus Rex verliert seine Vorherrschaft, das Zeitalter der gewaltigen Boni-Happen wird durch zunehmende Meteoriteneinschläge geplatzter Spekulationsblasen und Umweltzerstörung zunehmend gefährdet.
Natürlich ist es sehr aufwendig ein Steuersystem zu etablieren welches nach noch zu erarbeitenden Richtlinien der Nachhaltigkeit die Einkommen reguliert, aber es wäre alles vorhanden um eine solche neue Marktordnung zu schaffen.
Nicht zuletzt die angewachsene Globalisierung in der Politik kann auf internationaler Ebene ein hierzu umgestaltetes Währungssystem umsetzen. Der Druck um die Idee von der Theorie in die Wirklichkeit umzusetzen wird ansteigen, je länger die Menschen den gegenwärtig verheerenden Verlauf des Kapitalismus beobachten unter selbst darunter leiden.
Meine Idee zu einer neuen Gesellschaftsordnung ist nur eine von mehreren Wegen um den Kapitalismus zu ersetzen, aber je gösser die Wachstumsgrenzen sichtbar werden, desto grösser wird der Durck werden eine davon umsetzen zu müssen. Ich denke wir haben letztlich keine andere Wahl als Nachhaltigkeit über Kapital zu setzen.


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Hallo Schweizer Naar!
Ich wollte mich bloß mal bei Dir für die gelungenen Beiträge wie z.B.: Haben wir nur den Kapitalismus?, Der Kapitalismus ist klinisch tot und Das Auto stirbt bedanken. Echt SUPER!
Was ich nicht verstehe, ist die Mangelende Resonanz hier. Pennen die Schlafmützen noch alle, oder was ist mit denen los?
Hier habe ich noch einen lesenswerten Link zur Zukunft der Automobilindustrie: Abgesang aufs Auto
Mach mit Deiner Aufklärungsarbeit weiter so und lass Dich nicht beirren.
Herzliche Grüsse,
Pessimist