04 Feb 2010 @ 6:29 PM 
 

EU-Geldmenge M3 erhöht sich wieder

 
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Deutschland M3 und BIP

Deutschland BIP und Anteil an der EWU Geldmenge M3

Die Geldmenge M3 gilt für viele Wirtschaftsökonomen als Frühindikator zu entweder einer inflationären oder deflationären Preisbildung. 

Wie auf dem Server des deutschen statistischen Bundesamtes zu erfahren ist, weisen die provisorisch erhobenen Daten für Dezember 2009 auf ein Wiederansteigen der Geldmenge M3 in der Eurozone hin. Im November war die Geldmenge noch auf  9330812 Millionen € gesunken, im Dezember wurde nun der provisorische Wert von 9387786 € errechnet. Der Unterschied mag wenig klingen, doch wäre damit der Abwärtstrend gestoppt.

Anmerkung: Die Daten stammen per 04.02.2010 einerseits vom Deutschen statistischen Bundesamt und andererseits von Eurostat.

M3 in der EWU

M3 in der EWU. Grafik: 'Der Schweizer Narr'

Ebenso wie sich die M3 Geldmenge wieder ausweiten könnte, wäre bei anhaltendem Trend ein Fundament für wieder ansteigende Preise gesetzt.

Wenn die Geldmenge bei konstanter Umlaufgeschwindigkeit steigt, kann sich bei noch nicht ausgelasteter Kapazitäten, infolge erhöhter Nachfrage, die Menge der produzierten Güter (reales BIP) erhöhen.

M3 EWU -Eurozone Ausschnitt. Grafik: 'Der Schweizer Narr'

M3 EWU -Eurozone Ausschnitt. Grafik: 'Der Schweizer Narr'

Wir haben nun die Situation einer sich zwischen BIP und Geldmenge angleichenden Kurve. Während M3 erhöht wurde, sank gleichzeitig das BIP. Da die Umlaufgeschwindigkeit von Geld langfristig ziemlich stabil ist, so stellt sich die Frage nach den Auswirkungen auf die Preise.

 

M3 Deutscher Anteil am M3 der EWU. Grafik: 'Der Schweizer Narr'

M3 Deutscher Anteil am M3 der EWU. Grafik: 'Der Schweizer Narr'

Gemäss bekannter Formel,  V = (P x Y) / M gilt: Wenn die Zentralbank die Geldmenge schneller erhöht als Y zunimmt, erhöht sich das Preisniveau.

P = Preisniveau
M = Geldmenge
V = Umlaufgeschwindigkeit des Geldes
Y = reales BIP

Eine höhere Geldmenge und zugleich ein absinkendes BIP beschleunigt diesen Effekt natürlich, es sei denn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes würde entgegen der langfristig stabilen Tendenzen diese Variable denoch abnehmen. Im Fall von tiefen Zinsen sank jeweils in der Vergangenheit auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Wenn die Notenbanken dann die Geldmenge erhöhen und die Zinsen senken geschieht in etwa folgendes:

Die Banken sind nur bereit Geld zu halten wenn die Zinsen tief sind, was seit geraumer Zeit der Fall ist. Das Preisniveau stabiliert sich oder wird deflationär. Wenn dies geschieht, so sinkt üblicherweise die Umlaufgeschwindigkeit.  Die Banken beginnen daraufhin mehr Kredit zu vergeben, dies wiederum erhöht die Nachfrage auf die bestehende Gütermenge.

Jetzt kommt es ganz darauf an ob die Gütermenge gleichbleibend ist, oder ob eine Kapazität besteht die höhere Nachfrage bei gleichen Preisen zu decken. Genau dies scheint im Moment der Fall zu sein, da die Preise im Moment weiterhin stabil zu sein scheinen. Die jedoch noch vorsichtig bleibende Wirtschaft wird kaum sehr schnell ihre  inzwischen abgebauten Personalressourcen steigern, woraufhin in wenigen Monaten die Umlaufgeschwindigkeit sich erhöhen wird und die Zinsen  steigen sollten.

Falls die Notenbanken den Termin verpassen um die Zinsen zu erhöhen, dann geraten wir in eine Inflationsspirale. Die hohe Staatsverschuldung im Westen lässt befürchten, dass die Notenbanken diesen Termin so spät wie möglich ansetzen werden, um über eine bestimmte Inflationsrate einen Teil ihrer extrem hohen Schulden abzubauen.

Leider lässt sich auch für die Notenbanken kein genauer Termin für die ‘Exit-Strategie’ voraussagen, ab wann die Zinsen wieder zu erhöhen wären. Wäre es anders, so wären sich die Ökonomen über die notwendigen Massnahmen einig.

Da der Finanzmarkt Heute weltweit zusammenhängt, wäre zudem die Zinspolitik international zu koordinieren. Schwierigkeiten entstehen aber, wenn sich die einen Volkswirtschaften erholen, während andere noch tief in der Krise feststecken. Im Moment hat sich als wichtige Industrienation vor allem China zu erholen begonnen. Wenn die Notenbanken zulange zuwarten im Westen um ihre Zinsen zu erhöhen, könnte dies politisch zu schwerwiegenden Differenzen führen zwischen West und China. Diese wiederum könnte danach zu hoher Volaitibilität zwischen den Währungen führen und die Vorhaben um den internationalen Finanzmarkt zu steuern sehr erschweren.  

Ein sehr schwerwiegendes Problem erwähne ich zum Schluss. Neben den Güter produzierenden Konzernen existiert noch der Rohstoffmarkt und bekanntlich könnte es hier zu Engpässen und daraufhin zu Spekulationsverzerrungen kommen. Ein gewisses Inflationspotential steckt also bereits in der physikalischen Endlichkeit des Rohstoffangebots fest und das expandierende China wird diesen Faktor nicht geringer machen.

Ebenfalls stellt sich die Frage wieweit die Entwicklung der sinkenden Lohnanteile der Bevölkerung im nationalen Bruttoeinkommen einen Einfluss auf deren weitere Konsumfreudigkeit hat.

Deutsches Bruttonationaleinkommen, sinkende Lohnanteile

Deutsches Bruttonationaleinkommen, sinkende Lohnanteile

Empfehlung: Weiterführende Lektüre ‘Geld und Inflation’, von Katrin Assenmacher.

 

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