31 Jan 2010 @ 9:41 AM 
 

Schweizer Wirtschaft bekommt Schlitzaugen

 
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 china_schweiz_freihandel

Wie aus gut informierten Quellen am WEF und aus China zu hören ist, beschleunigt die Schweiz und China ihr bisher noch unter Machbarkeitstudien befindliches Freihandelsabkommen.  Anstelle wie im verlinkten Artikel gegen Ende 2010 geplant, scheinen Verhandlungen darüber bereits jetzt anzulaufen. Bundesrätin Doris Leuthard reist im Jahr 2010 mindestens zweimal nach China, die Delegation des Bundesrates dürfte nach den Ergebnissen am WEF-Treffen gehörig aufgestockt werden.  

Die Chinesen scheinen sogar gewillt zu sein, ein Freihandelsabkommen mit der Schweiz bereits zum 60-Jahr Jubiläum der Beziehung mit der Schweiz und Schweden, im August 2010 in Shanghai feierlich zu verkünden.     

China könnte damit ab 2012 zum drittwichtigsten Wirtschaftspartner der Schweiz werden.

Es gibt zudem relevante Verhandlungen mit dem Finanzkonzern UBS im Investmentbanking und der ABB im Technologiesektor. Der stellvertretende chinesische Ministerpräsident Li Keqiang besuchte den Hauptsitz der ABB in Zürich am 27. Februar 2010. Der ABB-Konzern ist seit längerem in China tätig, er gehörte zu einem der ersten ausländischen Grosskonzerne die in dem chinesischen Markt mit sogenannten ‘joint ventures’ tätig sind. Davon gibt es aber bisher lediglich 20, mit insgesamt nur 8 multinationalen Konzernen. Denoch sind im Rahmen von ‘joint ventures’  immerhin 15000 Mitarbeiter tätig, die chinesischen Investitionen belaufen sich aber auf noch bescheidene 1 Milliarde US$.  

Diese Zahlen zeigen das Entwicklungspotential für ausländische Konzerne in China klar auf, für viele ist der gelbe Riese nach wie vor ein ‘Unentdecktes Land’.  Die Chinesen scheinen derzeit gegen das Vorurteil, massiven Protektionismus zu betreiben, entgegentreten zu wollen. Es wurde den Schweizern mitgeteilt, dass China bereit sei sich weiter ausländischen Investoren zu öffnen, worunter sie vor allem die Zusammenarbeit mit global agierenden multinationalen Konzernen verstehen.

China möchte so schnell wie möglich ihren bisher eher etwas vernachlässigte Ökonomie im Westen ausbauen (chinesischer Link). Kritiker in Menschenrechtsfragen werden vermutlich wenig erfreut sein über einen geplanten Ausbau der Qinzang-Eisenbahn über den Tibet bis nach Nepal, welche vielleicht ebenfalls mit Hilfe der Schweiz geplant und gebaut werden könnte. Erwähnt wurde auch die Shanghai World Expo 2010, wo sich die ABB an Projekten beteiligt. 

Das Engagement der UBS in China, könnte diesen Finanzkonzern wiederum zu einem für die Schweiz noch systemrelevanteren Klumpenrisiko werden lassen. Während  die UBS überall in der Welt Stellen abgebaut hatte, scheint UBS-Präsident Kaspar Villiger aber in China wieder Grosses zu planen. Der Konzern wird sich gegen seine Aufspaltung gewiss zur Wehr setzen wollen, denn in China wo sie noch Wachstumschancen erkennt, setzt die UBS auf das Investment Banking  Geschäft, obschon der Konzern sich im Kern als Geschäftbank betrachtet.  Mit UBS-CEO Oswald Grübel und unter Präsident Villiger wird vermutlich versucht werden mit dem Hinweis auf China, den Weg zur Architektur einer integrierten Bank durchzuhalten. 

Die Chinesen werden die Schweiz zu einem Freihandelabkommen drängen, in welchem so wenig Einschränkungen wie möglich gelten sollen, so wie bereits das von Bundesrätin Doris Leuthard umgesetzte Abkommen mit Japan. Die Entwicklung mit China wird aber für die Schweizer Arbeitnehmer Folgen haben, insofern als Stellen im Hightech-Sektor noch gefragter sind als bisher, umgekehrt einfache Industriearbeitsstellen abgebaut werden.

Die Schweiz könnte so zwar zu den wirtschaftlich globalisiertesten Länder der Welt aufsteigen (derzeit Platz 22), aber die Risiken hier sind weitere Einschränkungen der direkten Demokratie und eine weiter anhaltende und beschleunigte Umverteilung  der Vermögen.  Rechnet man alle Globalisierungsfaktoren zusammen, so befindet sich die Schweiz derzeit auf Platz 4. Ein weiteres Ansteigen seiner wirtschaftlichen Globalisierung könnte aber unter den geltenden internationalen politischen Entwicklung ein Abstieg in der sozialen Globlalisierung bewirken. 

Globalisierungsindex des KOF

Globalisierungsindex des KOF

Gemäss dem aktuellen Globalisierungsindex des KOF existiert eine Schere zwischen sozialer und wirtschaftlicher/politischer  Globalisierung. Die soziale Globalisierung stagnierte Weltweit seit 2001 (Seite 1 im PDF vom 22.01.2010).  Die Schweiz belegt im allegemein absteigenden sozialen Globalisierungsindex noch auf dem schönen 1 Platz, was aber über in letzter Zeit auch hier durch den Abbau der sozialen Sicherheit gefährdet ist.

Der Schweizer Narr weist darauf hin, dass für den Grossteil der Bevölkerung die soziale Globalisierung wichtiger ist als die Wirtschaftliche. Seitdem in den globalisierten Ländern der Anteil an den Konzerngewinnen für den Durchschnitt der Bevölkerung immer mehr abhanden kommt, stellt sich die Frage was seit 2001 so sehr schief gelaufen ist.

Der Schweizer Narr ist der Ansicht das die Ursachen der Finanzkrise und die Stagnation der sozialen Globalisierung einen gemeinsamen Nenner haben, nämlich den starkten Abbau des Sozialstaates unter der falschen Vorstellung, dass dies die Konkurenzfähigkeit fördern würde. In Wirklichkeit ist aber das Gegenteil der Fall, was sich unter anderem durch die überraschende Stärke der Chinesen im Krisenjahr 2009 erwiesen hat. Die Chinesen setzen seit einiger Zeit sehr viel in den Ausbau ihrer Sozialdienstleistungen, im Jahr 2010 steht das Soziale sogar im Zentrum der Aufmerksamkeit.  Siehe auch meinen Artikel ‘Sozialabbau im Westen führt China zur Weltmacht’.

Wenn Frau Bundesrätin Doris Leuthard mit den Chinesen für ein Freihandelsabkommen verhandelt, so wäre sie gut beraten zuvor unter dem Begriff ’soziale Globalisierung’ nachzuschlagen. China wäre unter der selbst entworfenen politischen Leitlinie, hin zu einer ‘harmonischen Entwicklung der Gesellschaft’, für Handelsbedingungen empfänglich, welche die sozialen Verhältnisse in beiden Ländern vermehrt berücksichtigen. Globalsierung kann nur Sinn machen, wenn sie dazu dient alle Bevölkerungsschichten an den Vorteilen der wirtschaftlichen und politischen Globalisierung partizipieren zu lassen.

Schlechte Aussichten für die Soziale Globalisierung

Schlechte Aussichten für die 'Soziale Globalisierung'

 

Responses to this post » (One Total)

 
  1. Peter Maurer says:

    Hallo Schweizer Narr

    Du bist sicher ein hochintelligenter Mensch. Jedoch wie ich schon einmal erwähnte, Statistiken haben keinen Wert mehr, wenn sie nicht von Personen wie Gerald Celent u. sein Team, Ron Paul etc sind. Was die Beziehungen zwischen China und der Schweiz angeht, habe ich erhlich keine Ahnung. Nur, es ist nicht mehr wichtig. China hat eine Blase, alles wurde auf Subrime Kredite gestützt, letztes Jahr etwa 60% vom BIP; der KOF Index ist falsch. So leid es mir tut. Die USA hat jetzt (Ende Januar 2010) mind. 25% Arbeitslose, offiziell liegt sie bei 10 doch die meisten bezweifeln dies, sie postulieren mind. 17%. Immer noch falsch. China weiss ich nicht, da alles unter Verschluss gehalten wird, wie hier in Brasilien. Auch hier kein Wachstum. Japan hat eine Schuld von 400% des BIP, die USA und England nicht viel weniger. Noch Fragen? Die Hyperinflation hat weltweit begonnen, da durch die Monetisierung die Geldentwertung fortschreitet. Jedes Land wird bankrott gehen. Alle inkl. die Schweiz. Du glaubst mir nicht? Nun, schau doch bitte mal bei mir vorbei, es befinden sich noch andere Links auf m. Site, die sehr seriös sind.
    Liebe Gr.

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