



Während im Westen in vielen Ländern seit Jahren eine Erosion der Sozialsysteme stattfindet, welcher gleichzeitig von Deindustrialisierung und immer höheren Staatsverschuldung gekennzeichnet ist, kann man in China eine ganz andere Wirtschaftsgeschichte und Entwicklung beobachten.
Ursache für die Deindustrialisierung im Westen waren die neoliberalen Reformen, welche vor allem unter Margret Thatcher und Ronald Reagan beschleunigt wurden. Die sogenannte ‘Dienstleistungsgesellschaft’ wurde aufgebaut und gipfelte im der ‘Finanzdienstleistungsgesellschaft’ in welcher vornehmlich nur noch virtuelles Wachstum im Wertpapierhandel stattfand. Der Zustand der Industrie in den USA und in UK kann man inzwischen als desaströs bezeichnen. Durch die initialen Erfolge der neoliberalen Politik, begleitet vom Zusammenbruch der UDSSR, wurde fast der gesamte Westen auf einen Irrweg gebracht, der letzlich in eine globale Finanzkrise mündete.
Viele Politiker,Parteien und Ökonomen warnen im Westen vor hohen Sozialabgaben, was etwa in der Schweiz dazu führt dass immer mehr Sparmassnahmen verabschiedet werden. Sei es bei Invaliden, Arbeitslosen oder Rentnern, fast jedes Jahr werden die Sozialleistungen eingeschränkt. Die Bevölkerung im Westen glaubt mehrheitlich daran, dass eine restriktive Sozialpolitik Wettbewerbsvorteile im globalisierten Markt einbringen könne.
Tasächlich glaubt ein grosser Teil der Bevölkerung in den westlichen Demokratien noch immer an ein Wirtschaftswunder durch einen weiteren Ausbau der Finanzdienstleistungsgesellschaft. Man glaubt auch dass man nur über Sozialabbau gegenüber Ländern wie China konkurrieren könne. Dies jedoch ist ein fataler Irrtum, denn der Aufstieg Chinas zur wirtschaftlichen Weltmacht geschieht derzeit vor allem über den Einfluss von kostenintensiven Sozialreformen.
China wird 2010 erstmals ein effizienteres Rentensystem als das der Deutschen besitzen und hat hier die Japaner bereits hinter sich gelassen!
Der erstmals für das Jahr 2009 erstellte “The Melbourne Mercer Global Pension Index ” vergleicht die Rentensysteme von 11 wichtigen Industrienationen.
Die Bemühungen der Chinesen, ihre sozialen Ungleichgewichte aufzufangen, scheinen immer schneller Früchte zu tragen. Zwar liegt der Index für China noch ziemlich weit unten, aber schon 2010 könnte das Land 54 Punkte erreichen und damit Deutschland überrunden, so wie dies bereits im Export von Produkten geschehen ist. Die Bemühungen der Chinesen konzentrieren sich 2010 auf den Aufbau einer besseren Rentenversicherung für die Landbevölkerung, was das Problem der Wanderarbeiter ausglätten soll.
Die Chinesen führen für die Landarbeiter ein Rentensystem (link ist chinesisch) ein, welches sich an einer Kanadischen Firma Pratt & Whitney orientiert, welches diese für ihre Mitarbeiter führt. Pratt & Whitney ist auch in China ansässig, was offenbar infolge der sozialen Tätigkeiten der Firma zu dieser merkwürdig erscheinenden Anlehnung geführt hat. Pratt & Whitney hat Konzernweit einen sehr weit führenden ‘Ethik Kodex’ herausgegeben, was die sozialistischen Chinesen offenbar beeindruckt hat. Die Chinesen arbeiten seit einiger Zeit unter dem politischen Programm “harmonische Gesellschaft” auf einen umfangreichen Aufbau ihres Sozialsystems hin.
Sowohl Krankenversorgung, Arbeitslosenunterstützung und eben die Rentensysteme, haben derzeit hohe politische Priorität in China. Die Chinesen haben offenbar nach ihrem langen Marsch, hin zu einer Wirtschaftsmacht, die Wichtigkeit des Sozialen wieder erkannt, während die Sozialpolitik im Westen demgegenüber einem ebenso langsamen Zersetzungsprozess erlegen ist.
Nun läuft der Westen also Gefahr von den Chinesen über den Ausbau ihrer sozialen Sicherheit, von diesen sozusagen links überholt zu werden. Unter der gegenüber dem Westen nach wie vor möglichen Wachstumsdynamik eines noch nicht vollständig erschlossenen Potentials von inzwischen mindestens 1,3 Millarden Menschen, kann in den Sozialaufbau genügend Kapital einfliessen. Eine künftig hohe soziale Sicherheit in China ermöglicht es dem Land fähige Wissenschaftler und Ingenieure anzuziehen, ebenso über den Aufbau einer unabhängigen Kultur die westlichen Demokratien zu konkurrieren imstande ist.
Der Fehler des Westens war es, dass die Demokratien eine sozial unregulierte Globalisierung zugelassen haben, welche über den Handel mit ‘Billiglohnländern’ die eigene Bevölkerung in die Arbeitslosigkeit treibt. Möglicherweise könnte sich der Westen noch den Kopf aus der Schlinge ziehen, indem zusammen mit China und anderen ‘aufstrebenden Märkten eine gemeinsame Sozialpolitik auf internationaler Ebene aufgezogen wird.
Dem Schweizer Narr erscheint es jedoch so, als seien die westlichen Demokratien nicht mehr in der Lage sich sozial wieder unzuorientieren, indem hier der Sozialabbau gestoppt und wieder umgekehrt wird, der Handel mit Ländern die Sozialdumping betreiben zum Schutz der eigenen Bevölkerung eingeschränkt wird, oder Bedingungen gesetzt werden unter denen Handel stattfinden kann. Länder wie Japan können sich bereits jetzt kaum mehr aus der Schlinge des Sozialdumping ziehen. Während die Staatsverschuldung ins gigantische ansteigt, können die früher zahlungskräftigen Rentner keinen Konsumbeitrag mehr leisten um die Wirtschaft zu stützen, weil sie unter höheren Abgaben und Steuern leiden. Dies hat Folgen in einem Land in welchem der Anteil der Älteren an der Bevölkerung so hoch ist wie in Nippon. Japan ist im Melbourne Mercer Renten-Index hinter China zurückgefallen.
Es gibt aus meiner Sicht für den Westen einen Zugzwang in der Sozialpolitik, und der könnte eigentlich nur Kooperation auf globaler Bühne heissen, ansonsten wird eines Tages China auch hier den Marsch blasen. Es wäre schade wenn die demokratisch geführten Staaten der Welt ihren Einfluss auf die Weltpolitik infolge einer verfehlten Sozialpolitik verlieren müssten, aber vielleicht überholen uns schliesslich die Chinesen auch noch unter einer zukunftigen Reform Richtung Demokratisierung.


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