



Auf ‘Zeit Online’ las ich eine Kolumne des Wirtschaftsjournalisten Mark Schieritz , bei dessen durchlesen mir die Narrenglocken lustig klirrten.
Bereits Notenbankchef Alan Greenspan behauptete zur Zeit der geplatzten Internetblase, dass “wir” dringend eine neue Finanzblase benötigen, allenfalls die Wirtschaft in den Abgrund gerissen werde. Dies geschah dann auch über die Blasen bei den Hypothekarkrediten in den USA und einigen anderen Staaten. Letztes Jahr wurde Greenspan für die ‘Blasenpolitik’ noch gerügt, wobei er sich reumütig zeigte.
Heute scheinen Leute wie Mark Schieritz bereits wieder an Gedächtnisschwund zu leiden, die Reaganomics hat eben in der Wirtschaftsschule gut kondizioniert, von wegen die Wirtschaftsethik.
Die Liquidität der US Notenbank hat die Subrimekrise aber nicht überwunden, sondern nur die Schulden in illustre Bad Banken und ihren getürkten Bilanzen verbannt, von dort zehren sie weiter am Gebälk des Wirtschaftssystems.
Mark Schieritz vernebelt, dass die Blasen seither immer grösser sein mussten um die Wirtschaft zu ‘befeuern’ und sie nun zuletzt eben vom Staat aufgeblasen werden, auf Kosten der Bürger. Es handelt sich bei der neuen Blase am Aktienmarkt nicht nur um eine der vielen privat geheizten Blasen der Privatwirtschaft, sondern da gibt es nun Private (die Banken), welche Geld aus den Taschen des Staates in Form von Aktiengeschäften in die eigene Tasche umleiten. Zudem handelt es sich um Geld, welches noch gar nicht erwirtschaftet wurde, was die Bürger vielleicht in Zukunft werden erarbeiten können.
Die Höhe der Haushaltsdefizite lässt dies allerdings zweifelhaft erscheinen, ohne dass die gigantischen Schulden in einem durch die Notenbank zugelassenem Inflationsschub ‘abgebaut’ werden.
Bevor es jedoch soweit kommt, muss aus Buchgeld zuerst reales Geld werden. Wenn der Staat Banken zu grösserer Liquidität verhilft, diese Mengen aber nicht in die Realwirtschaft und damit auch zu den ‘kleinen’ Leuten in ihre Einkommen einfliessen, aber stattdessen etwa Aktien gekauft werden, so geschieht zuerst wenig.
Anmerkung: Es geschieht zuerst wenig, wenn man die sich wieder auffüllenden Kontoguthaben der Superreichen davon abzieht.
Es kann sogar trotzdem zu einer längeren Periode mit Deflation führen. Es hängt davon ab ob es sich für viele lohnt Gewinne so zu realisieren, dass sie in Realgeld umgewandelt werden. Im Moment besteht sogar eher noch die Tendenz Realgeld in Buchgeld zu verwandeln, die Amerikaner sparen zum Beispiel mehr.
Sobald dann aber ein Zwang entsteht bei vielen, ihr Gewinne zu realisieren oder Gespartes zu verwenden, etwa durch Ausschüttung der Altersvorsorge, Wirtschaftliche Engpässe, dann kann es innerhalb kurzer Zeit zu einem Inflationsschub kommen, denn es gibt nun Liquidität wie noch nie.
In den USA wurde der Immobilienmarkt belebt, indem die nun halbverstaatlichten Finanzkonzerne Fanny Mae und Freddie Mac ‘als Hilfe für die Wirtschaft’ wieder munter gefährliche Subprime -Kredite aussprachen und somit das Potential fauler gebündelter Kreditprodukte inzwischen stark wie vor der Subprimekrise angestiegen ist. Vielleicht kann Schieritz mal erklären weshalb derselbe falsche Kreditumgang am Immobilienmarkt unter Staatshänden diesmal ein Segen sein könnte?
Die NZZ frohlockt Heute: “Die Rezession in den USA dürfte beendet sein. Die grösste Volkswirtschaft der Welt wuchs im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 3,5 Prozent.”
Doch inzwischen scheint der Schub am Immobilienmarkt trotz Staatshilfen aber wieder nachzulassen und die Arbeitslosigkeit ist keineswegs rückläufig, und jene die vor der Arbeitslosigkeit in das US-Militär fliehen erscheinen natürlich nicht in der Arbeitslosenstatistik . Mit was lief denn der Wachstumsmotor, wenn nicht durch die weiter zunehmende Überschuldung des Staates?
Der Herr Josef Ackermann, mit Vorschlägen aus dem Handbuch des Neoliberalismus kaum je verlegen, er forderte nun den Staat zum Rückzug vom Finanzmarkt auf, um ihn wieder ganz den Privaten zu überlassen. Seine Botschaft verkündet er mit sozialdarwinistischer Inbrunst: Schwache Unternehmen seien nicht mehr lange mit Staatshilfen zu päppeln, denn dies würde ‘den Wettbewerb’ verzerren.
Warum hätte man das aber gemäss Ackermanns sozialdarwinistischem Massstab je tun sollen, fragt sich der Schweizer Narr, wurden denn etwa die Starken gerettet
?
Jedenfalls erhielt die Deutsche Bank, welcher Ackermann vorsteht, von der FED am 16. September 2008 8,5 Milliarden US$ geschenkt, was damals 10% des gesamten Bankenrettungspaketes von 85 Millarden US$ entspricht. Die Zahlungen wurden gegen die ‘Lehmann Derivat- Verwerfungen’ am Finanzmarkt ausgesprochen und gingen zu Lasten des Steuerzahlers. Nur Goldman Sachs mit 14 Mrd. Dollar und die Societe General mit 16,5 Mrd. erhielten mehr.
Die Banker profitieren derzeit nicht nur bei steigenden Aktienkursen, wie die Füllung der Lohntüten der ‘Spitzenmanager’ aufzeigen, die fast immer immun gegen Volatilität zu sein scheinen (nun dank der gewaltigen Staatshilfen, Bilanzmanipulationen und den damit verbundenen Insidergeschäften der erlauchten Bankergesellschaft).
Es sind nicht nur juristische Personen, wie die Banken, welche ihre Taschen auffüllen, sondern es handelt sich um die mächtig gewordenen Chefs der Finanzlobby, welche am meisten profitieren. Zum ‘richtigen Augenblick’ wollen Sie wieder vom Staat abheben, sobald ihre Geldsäcke prall genug gefüllt sind zum nächsten Zockerspielchen. Jeder zehnte Banker erwartet für das Jahr 2009 ein Rekordausschüttung in seine Brieftasche.
Demgegenüber erwartet man zum Beispiel in der Schweiz für nächstes Jahr stagnierende Löhne bei den ‘einfachen Arbeitskräften’. Wegen der Wirtschaftskrise und den Problemen am Arbeitsmarkt würden viele Firmen die Löhne gar senken, wie das in einzelnen Firmen der Textilbranche, des Maschinenbaus und in den Medien der Fall sein könnte.
Abgesahnt wird derzeit also vor allem ganz Oben im Finanzbereich, auf Kosten zukünftiger Generationen und Steuerzahler, wobei die sich enorm auftürmenden Schulden der öffentlichen Hand sich vermutlich irgendwann in einer hohen Inflation der Währungen entladen. Scheitern die staatlichen Hilfen, dann bleibt alles an den Währungen hängen.
Würden alleine juristische Personen wie ‘die Bank’ profitieren, so wäre der Geldstrom mehr in die Realwirtschaft und weniger an die Börsen geflossen, aber die privat profitierende Finanzlobby scheint erfolgreich der Politik den Takt zu schlagen, wobei letztere dieser neoliberalen Ideologie seit Jahrzehnten erlegen ist, auch Ex Kanzler Schröder liess hier grüssen.
Trotzdem scheinen mir die Deutschen derzeit mit dem neuen Schwarz/Gelb Bündnis eher zu versuchen den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.
Was wir erleben ist nichts anderes als die letzte Phase eines Umverteilungsprozesses in die Hände von Superreichen, welche die Mittelschicht ausdünnen lässt und in der dritten Welt die Hungernden auf inzwischen 1 Milliarde Menschen hochgetrieben hat.
Am meisten schlug die Krise in den armen Staaten ein, doch dort lebt der Zeit -Journalist ja nicht.
Das Wirtschaftsgame verschwendet in immer grösserem Ausmass die Ressourcen der Erde und gefährdet in immer stärkerem Ausmass die Demokratie in den Wirtschaftsnationen. Demokratien können nur überleben wenn die Reichtumsverteilung nicht zu gross wird, ansonsten beginnt der Nationalismus und die Ausgrenzung zu blühen, es kann zu rechtsextremen oder auch linksextremen Regierungen führen.
In den USA hat sich die Staatsverschuldung und die Liquidität keineswegs positiv auf die Arbeitsplätze ausgewirkt wie Herr Schieritz dies vorgaukelt. Die Arbeitslosigkeit war trotzdem dramatisch angestiegen und dauert noch immer an.
Würde es keine Rolle spielen die Liqidität zu erhöhen, warum wird dann nicht Geld an jeden Bürger verteilt der sich damit was kaufen möchte um die Wirtschaft anzukurbeln?
Herr Schieritz hat keine Angst vor Inflation, weil das Geld derzeit nicht an irgendwen verteilt wird, sondern vor allem an die Finanzlobby, und hier gehört er offenbar mit dazu.
Wenn die Wirtschaft auf Hochtouren läuft, so muss dies keinesfalls bedeuten das Herr Otto Normalverbraucher davon profitiert. In den USA gab es zum Beispiel seit 1972 kaum mehr höhere Löhne und immer längere Arbeitszeiten, eine regelrechte Deindustrialiserung hat stattgefunden. Die Gewinne der erhöhten Produktivität und der Verlagerung der Industrie ins Ausland verschwand in den Taschen der Multimillionäre und führte zur Entstehung eines Feudalzeitalters von über den Globus verteilter Finanzoligarchen.
Inzwischen regiert in Wirklichkeit eine kleine internationalisierte Finanzlobby über die Geschicke der Menschheit, und wenn wir noch etwas zuwarten, so werden die Demokratien endgültig entmachtet und verlieren die Fähigkeit zur Finanzmarktregulierung und Ressourcenplanung.
Eine derartige Finanzblase auf Staatskosten für die Schieritz sich ausspricht, sie ist ein ‘Sozialismus für Banker’, was etwa in China und Russland ganz neue Perspektiven ideologischen Transfers zum Kapitalismus, zu aparten Machtphantasien in einer künftig entdemokratisierten G8 eröffnet hat.
Die Liquidität der US -Notenbankpresse droht also in zunehmendem Mass das Machtgefüge der Nationen zu verschieben, die vermeintliche Rettung der Wirtschaft geschah ja nicht vor allem über Produktion und Hinwendung zu Nachhaltigkeit in den demokratischen Wirtschaftsnationen.
Von den angekündigten Regulierungen im Finanzmarkt blieben bisher Wortblasen übrig, welche inzwischen in den unwirklich erscheinenden Aktienblasen und Bankersaläre ersoffen sind.
Wir haben es nicht nur mit Blasen in der Wirtschaft zu tun, sondern auch in der Politik, ideologische Blasen rund um den Wirtschaftsliberalismus, wie bei Herr Schieritz. Auf Spiegel.de zeigt Wolfgang Kaden, dass es noch einen reflektierenden Wirtschaftsjournalismus gibt, beim Spiegel sonst nicht mehr stark verbreitet. Kaden will aufzeigen, dass wir es mit einer Systemkrise zu tun haben, eine ideologische Sackgasse der Wirtschaftsführer, die zu immer wiederkehrenden falschen Strategien führt.
Die Verschuldung der öffentlichen Hand zugunsten international operierender Spekulanten, die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer, erhöhte Ressourcenverschwendung, die Liquiditätsschwemme in die Hände der Finanzlobby, alles scheint unentwegt gegen soziale Gerechtigkeit zu arbeiten.
Fehlendes Geld kann Leben verkürzen, das sagt nicht nur die Altersforschung, sondern auch ein Blick in die dritte Welt. Die Bewusste einseitige und nicht nach real geleisteter Arbeit bezogene Umverteilung von Kapital ist ein Verbrechen und führt zu Verbrechen, Kriegen, Diktaturen und Umstürzen, sagt schon ein kurzer Blick in die Geschichte.
Aber: Nicht nur der mit Staatskapital spekulierende Banker ist ein Verbrecher, sondern die Ideologie nach welcher er sich ‘im System’ ausrichten muss um seine Position zu bewahren ist verantwortlich, also die herrschende Politik. Und eben jene Ideologen, welche ‘Skandale’ als Wirtschaftshilfen rechtfertigen, so auch gewisse Wirtschaftsjournalisten.
Zuletzt sei noch generell die Frage nach dem Sinn von weiterem nicht nachhaltigem Wachstum in der Wirtschaft gestellt.
Inzwischen weiss wohl bald jeder durchschnittlich informierte Mensch, dass die Erde nur über begrenzte Ressourcen verfügt. Unser Wirtschaftssystem, also der inzwischen weltweit neoliberale Finanzmarkt, er ist so eingerichtet dass er buchstäblich ‘über Leichen’ gehen kann. Im Börsengeschäft etwa gibt es Verlierer und Gewinner, in der Realwirtschaft erzeugt der Wettbewerb einen Druck auf die Preise und die Löhne. Sehr hohe Löhne in den obersten Etagen gewisser Banken zeigen aber auch auf, dass dort der Wettbewerb nicht spielt, es handelt sich um die Zone der Herrschenden Klasse.
Auf der untersten Ebene der Wirtschaft gibt es Akteure die sich kaum wehren können, was auf ca. 3/4 der Menschheit zutrifft. Aber noch weiter unten steht unsere Erde mit ihren Ressourcen. Die Erde kann ihren Wert in diesem Wirtschaftssystem nicht genügend geltend machen, also wird sie ausgebeutet bis dass der letzte Tropfen verbraucht ist. Die Menschheit scheint nicht in der Lage zu sein den Ressourcen der Erde genügend Bedeutung beizumessen, was den ‘Schweizer Narr’ nicht verwundert.
Für die oberste Schicht der Reichen wird es voraussichtlich auch in 200 Jahren noch genügend Rohstoffe geben, daher wird diese Art von Kapitalismus die Erde solange ausbeuten bis der grösste Teil der Menschheit hungert oder gar stirbt.
Zwar gibt es zum Beispiel einen internationalen Klimagipfel, doch die Erlasse die daraus hervorgehen scheinen nur dann umsetzbar, wenn sie den Mächtigsten der Welt die Geldbeutel füllen. Auf jeden Fall kann unter dem vorherrschenden Wirtschaftssystem der Niedergang unseres Planeten, hin zu einer ausgelaugten Wüste, nicht verhindert werden.

Vergangener Temperaturverlauf (blau) und Zukunftsprojektionen des IPCC (2007). Gezeigt sind drei verschiedene Emissionsszenarien (B1, A2 und A1FI); die farbigen Bereiche sind die dazu gehörigen klimatologischen Unsicherheitsspannen. Ohne erfolgreiche Klimaschutzmaßnahmen würde selbst beim optimistischsten Emissionsszenario (B1) die 2-Grad-Grenze überschritten.
Die Wissenschaft und die Politik sind zwar in der Lage die Gefahren durch den übermässigen Ressourcenverbrauch zu erkennen, doch der ‘Schweizer Narr’ sieht im Gegensatz zum Verfasser jenes Blogartikels kaum Chancen für eine ernst zunehmende Wende im Verhalten der Menschen. Unser kapitalistisches nach grenzenlosem Wachstum hin orientierte Wirtschaftssystem tickt da völlig anders.
Das Wirtschaftssystem tanzt nach der Musik nationaler und internationaler Finanzlobbysten, wie unten bildlich wiedergegeben in Deutschland, oder wie hier in den USA.
“Lobbyisten korrumpieren den Kongress”, schreibt der Finanzblogger Barry Ritholtz. Sein Fazit: “Die Finanzreform ist tot.” Auch der demokratische Abgeordnete Collin Peterson ist pessimistisch: “Die Banken regieren diesen Ort”, sagt er über die wahren Machtverhältnisse im Kongress. “Sie geben dreimal so viel Geld aus wie die nächstfolgende Lobbygruppe.”
Der Schweizer Narr ergänzt: Und sie nehmen dadurch 2′000′000 mal soviel ein wie die nächst- stärkere Lobbygruppe.

Die mächtige Autoindustrie sorgt in Deutschland seit Jahrzehnten dafür, dass die Straßeninfrastruktur stets um ein Vielfaches besser ausgestattet wird als die Schiene
Verlieren gehört zum Wirtschaftssystem, selbst wenn die Verlierer Milliarden von Menschen sind. Der tödliche Mechanismus unserer Wachstumsphilosophie hat uns noch nie wirklich gestört, oder warum hat nun die Anzahl hungernder Menschen die Milliardengrenzen überschritten?
Der Blickwinkel eines Mark Schieritz umfasst nur die BlackBox des Wirtschaftssystem selbst, so sieht er denn die Rettung in dessen Reanimation, ohne Blick über dessen Systemgrenze.
Aber die Folgen eines funktionierenden Systems in welchem verheerende ‘Skandale’ erforderlich sind, sie lässt ihm vielleicht schliesslich auch den Skandal einer zukünftig ausgebrannten Erde als derzeit Nützlich erscheinen,
Operation gelungen/Patient gestorben.




Mit dem Ausscheiden des einzig noch vertrauenswürdig gebliebenen Schweizer Anwärters auf den HSG-Lehrstuhl in St. Gallen für Wirtschaftsethik (Ulrich Thielemann), ist die Taktik bestimmter FDP- und SVP-Kreise nun aufgegangen.
Die Hochschule St. Gallen verbleibt damit eine Universität rücksichtsloser neoliberaler Prägung, in welcher der Spielkasinokapitalismus wie kaum an einer anderen Uni gelehrt wird. Wie der Schweizer Narr bereits mehrfach berichtet hat, so werden dort selbst Publikationen herausgegeben und Informationsveranstaltungen abgehalten welche die Wichtigkeit von regulierender Demokratie in Wirtschaftsprozessen in Frage stellen.
Dass die Umsetzung von Wirtschaftsethik in die Praxis auch Kritik am gegenwärtigen Umgang der Wirtschaft mit Menschen und anderen Staaten zu tun haben muss, dass wird in der Schweiz offenbar immer weniger verstanden.
Thielemanns Ansichten, welche ihn ausgerechnet während der Wirtschaftskrise und der Diskussionen über das Schweizer Bankgeheimnis unter Beschuss gebracht hatten, sie waren keineswegs neu gewesen. Seit Jahren blieb sich Thielemann selbst treu, das Wirtschaftsinstitut und dessen Publikationen fand aber vor der Finanzkrise weniger Beachtung in der Schweiz, an der HSG schlafende oder zynisch lächelnde Studenten im Vorlesesaal.
Im Verlauf der Wirtschaftskrise erst erhielt Thielemann und dessen Fachpublikationen mehr Aufmerksamkeit und seine Thesen gerieten vermehrt an die Öffentlichkeit, worauf der Mann für die Schweizer Finanzlobby immer gefährlicher wurde.
Thielemann hätte die leitende Professur über das Institut verdient, denn die inzwischen geänderte Politik im Bereich des Bankgeheimnis und der ‘Steueroasen’ hat seine Fachpublikationen in diesem Bereich schliesslich nur bestätigt.
Dass sich Christoph Blocher ohne ernst zunehmende Chance um die Professur in Wirtschaftsethik beworben hatte, dies war zum vorne herein als Taktik zu verstehen um Ulrich Thielemann zu verhindern.
Wird Christoph Blocher nicht Professor, so fällt es leichter den amtierenden Vizedirektor aus St. Gallen zu vertreiben, so musste die Überlegung gewesen sein.
Wenngleich die führende Wirtschaftselite ihre Ideologie im Bereich des Bankgeheimnis (“Ausdruck des liberalen Wirtschaftsdenkens”: Prof. Wolf Schäfer) nicht mehr durchzusetzen vermag, so gibt es in der Schweiz noch genügend Schlupflöcher um für die Finanzlobby leichte Profite zu generieren. Thielemann bliebe also für sie gefährlich, solange die Wirtschaftskrise anhält und die Bevölkerung das Geschehen vermehrt beobachtet.
Während nun zum Beispiel die Schweizer Gossenpresse ‘Blick’ über Blochers ‘Misserfolg’ bei der Bewerbung als Professor der Wirtschaftsethik höhnt, bemerkten deren Wirtschaftsjournalisten nicht einmal die eigentliche Stossrichtung von dessen Stellenbewerbung.
Gewiss hätte Blocher den Lehrstuhl angenommen, falls er ihm denn überlassen worden wäre, aber die Chance dafür waren viel zu gering, als dass dies der wirkliche Grund seiner Bewerbung sein konnte. Das Blocher wirklich scharf auf die Stelle gewesen wäre entbehrt daher der Grundlage des Wahrscheinlichen.
Aus Sicht des Schweizer Narr wurde Blocher daher als Trojanisches Pferd aufgestellt, mit dessen Hilfe die Wirtschaftsethik in der Schweiz von kritischer Moral und Ethik, wie sie Thielemann sie dort über Jahre prägte, nun gesäubert werden soll.
Falls Thielemann nun tatsächlich sogar noch von der HSW wegflüchtet, was ich ihm nicht verübeln würde, so erhielte St. Gallen in Zukunft vermutlich einen Lehrstuhl in Wirtschaftsethik, welcher der Bedeutungslosigkeit noch naher kommt als dieses Fachgebiet dort in der Realität zu anderen Wirtschaftswissenschaften hin betrachtet, umgesetzt wird.
Ulrich Thielemann spricht es in diesem Beitrag in der ‘Berliner Post’ an, wir sind in das Zeitalter der ökonomischen Radikalisierung eingetreten: “…Da wird ernst gemacht mit den Botschaften, die in den Lehrbüchern der Ökonomik schon lange stehen, nämlich: Es gilt, so viel an Rendite rauszuholen wie möglich. “Zu hohe” Renditen kann es da eigentlich nie geben – und koste es die halbe Belegschaft…”
Die Schweiz als Europäische Hochburg entmenschlichter Wirtschaftswissenschaften könnte so vielleicht zu einem im ethischen Sinne noch gefährlicherem Hort von Strömungen werden, in welcher die immer mehr entdemokratisierte Wirtschaftsglobalisierung vorangetrieben wird. Dort erhalten die Priester der Umsetzung der weltweiten Umverteilung des Reichtum ihre Doktorwürden und gelangen in höchste Führungsämter, so wie Josef Ackerman. In diesem Umfeld, so vermutlich die Idee der nationalistischen SVP und Blocher, könnte ein zweiter mehr nationalistischer Weg geebnet werden um auch vermehrt ihre SVP-Zöglinge an der HSG zu züchten.
Die Freisinnigen senden ihre Sprösslinge seit jeher dorthin um die Regeln des Spielkasinokapitalismus zu lernen und um ihr neoliberales Geflecht von Beziehungen aufrecht zu erhalten in welchem sie als Banker,Finanzberater oder Firmenboss Millionen durch Umverteilung in ihre Hosentaschen überführen können. Selbstverständlich mischen die politischen Lobby der Finanzwelt dort mit und verflechten die Netzwerke feinverteilt bis in auch noch so entlegene Nationalratsstuben.
Thielemann mahnt den umgekehrten Weg an, die Politik soll den Markt regulieren, damit nicht der Markt, sondern das Volk regiert, und damit einhergehend Ethik, Soziologie und andere Disziplinen die Ökologie beeinflusst und weniger Gewinnmaximierung als Herrschaftsprinzip. Gerechtigkeit könne nur gefunden durch ethische Reflexionen in der Ökonomik auf globaler Ebene, statt vollkommen unkritische Ethik zu verbreiten.
Für Nationalisten kostet aber der Aufwand um Ethik zu betreiben nur Geld, dementsprechend entspricht die nationale Schwächung des Schweizer Ethikinstitut (etwa durch den Wegzug Ulrichs) einem Profit, welcher durch die dann folgende Straffung der Hierarchie in der Wirtschaft entsteht. Die Ausschaltung von Ethik und die Umgehung der Frage nach Moral arbeitet stets in dieselbe Richtung, die des politischen Extremismus und zugunsten pyramidaler Machtstrukturen.
Aus dieser Perspektive betrachtet wird Christoph Blocher keineswegs in Tränen verfallen, da er die Professur nicht erhält. Vielmehr macht es für ihn eher Sinn, wenn der Posten irgendwie eingespart oder ausgedünnt, vor allem in ethischer Hinsicht entmachtet oder der Lächerlichkeit preisgegeben wird.
Das Gelächter im Blick-Journalistenbüro über Blocher ist also lediglich noch ein zusätzlicher Trigger um den Lehrstuhl in Wirtschaftsinformatik zwischen den Hornbrillen der vielen Schweizer Presse-Mr. Jones vor der Öffentlichkeit zu zerreden und ihr Sand in die Augen zu streuen.
Gewiss wird es dann auch noch so herauskommen, dass viele der ebenso verblödeten Leser solcher Presseprodukte das Ausscheiden von Blocher bedauern und ihm noch mehr ihre Treue erweisen.
Nachtrag: ‘Der Blick’ hat es nun also am 11.10.2009 auch bemerkt: “Ein Ziel hat er (Blocher) aber erreicht: Er hat Ulrich Thielemann verhindert.” Ob der Autor Werner Vontobel ein Leser des ‘der Schweizer Narr’ geworden ist? ….




Auf der Financial Times Deutschland las ich folgenden Satz:
“Die Vereinigten Staaten stehen mit 11.600 Mrd. $ in der Kreide – und minütlich werden es mehr. Die hohe Verschuldung ist nach der Auffassung von Ökonomen eine größere Bedrohung für das Wirtschaftssystem als die Finanzkrise.”
Ich frage mich welche Art von Ökonomen solche Ansichten in die Öffentlichkeit projezieren. Wie kann man die Finanzkrise denn Heute noch von der erhöhten Staatsverschuldung der USA trennen?
Staatsverschuldung, der Umgang mit der Weltreservewährung US$, das Leben auf Kredit, die Freipasspolitik zugunsten der Banken und Spekulanten, Ressourcenmangel, das greift alles ineinander über. Wir haben letztendlich eine weltweite Wirtschaftskrise, wobei die USA nur als Teilsystem des globalisierten Finanzsystems in Schwierigkeiten steckt.
Die Finanzlobby hat weltweit profitiert von der US -Staatsverschuldung bis hin zu China, das Problem betrifft den globalen Umgang mit der Weltreservewährung US$. Sämtliche Versuche die Krise in die USA lokalisieren zu wollen sind aus Sicht des ‘Schweizer Narr’ lediglich politische Manöver um die jeweilige Bevölkerung ruhig zu halten und die eigene Wiederwahl zu sichern. Bei Ökonomen ist das verbreitet um nicht zugeben zu müssen dass die führende Wirtschaftsideologie des privatisierenden Neoliberalismus, denen sie massenweise verfallen waren, gescheitert ist.
Die Weltwirtschaft steckt also in Schwierigkeiten, weil die steuernde Ideologie dahinter gescheitert ist, der Neoliberalismus, Thatcherismus,Reaganomics,Bushonomics usw., insgesamt die Idee dass die Privatwirtschaft alleine ohne Regulierung und soziale Verantwortung zu übernehmen in der Lage wäre die Menschheit glücklicher zu machen und der Welt und dessen Ökosystem langfristig Stabilität zu verleihen.
Vor allem ist die Idee gescheitert, dass die Dominanz der Finanzlobby in der Politik von allgemeinem Nutzen wäre und dass die Ausweitung des spekulativen Handels in jeden Lebensbereich bis hin zum Rentensystem effizienter wäre als Kosten direkt nach sozialen und ökologischen Folgen und Umständen zu bewerten und dafür zu sparen (ohne die Hebel von Börsengeschäften einzusetzen um scheinbar noch mehr herausholen zu können).
Die Erfassung der ‘Weltweiten Menschlichen Entwicklung’ durch die UN zeigt bereits während der letzten Boomphase der globalisierten Wirtschaft im Jahre 2007 ein erbärmliches Bild. “It shows that despite progress in many areas over the last 25 years, the disparities in people’s well-being in rich and poor countries continue to be unacceptably wide. “
Die Schere zwischen Arm und Reich lässt sich mitunter auch in der zu erwartenden Lebensspanne der Menschen ausdrücken: In den reichsten Staaten der Welt leben die Menschen einerseits fast doppelt so lange wie in den ärmsten Ländern, andererseits ist diese verbleibende hälfte des Lebens in Armut zusätzlich mit vielerlei gesundheitlichen und vielen anderen Problemen verbunden.
Sofern sich der Intellektuelle Mensch mehr als Erdenbürger und weniger als Nationalist betrachtet, so muss der Neoliberalismus im Sinne einer gesunden ökologischen, nachhaltigen und humanen Entwicklung der Menschheit als seit mindestens 25 Jahren gescheitert eingestuft werden.


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