




Sarrazin der Provokateur, Karikatur
Wieder einmal macht der Sozial-Eugeniker Thilo Sarrazin und Vorstand der Deutschen Bundesbank von sich reden. Nachdem der Mann seit Jahren immer wieder mit gewagten Hypothesen aus dem Sozialbereich provozierte, so wirft nun die Publikation seines neuen Buches “Deutschland schafft sich ab” (erscheint am 30. August 2010 ) einen schiefen Schatten auf Deutschlands angebliche Abkehr von der Nazivergangenheit, insbesonders im Bereich Wirtschaft & Soziales. Immerhin ist Sarrazin widerholt in höhere politische Ämter einberufen worden.
Ebenfalls macht seine langjährige SPD-Mitgliedschaft von sich reden, einer Partei die angeblich frei von sozialdarwinistischer Ideologie sei. Dass dem nicht so ist, ist nebenbei gesagt, von Gerhard Schröder über Müntefering bis hin zu Steinbrück und Steinmeier mehr als genug erwiesen worden.
Die ausgesprochen rassistischen Thesen Sarrazins werden von der offiziellen Deutschen Bundesbank (noch) als ‘Privatmeinung’ abgetan, aber die Kritik wächst.
„Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen“, so war es aus dem Munde Sarrazins gefahren.
Während es von Deutschlands Judenrat Kritik prasselt, lässt der Spiegel diesmal hoffentlich Herrn Henryk M. Broder besser aus dem Spiel. Dieser zeigte sich in der Vergangenheit von Sarrazin begeistert, welcher Osteuropäischen Juden einen um 15% gesteigerten IQ gegenüber den Deutschen ausgewiesen hatte. In seinem Blog verteidigte Broder Sarrazin gegen den Vergleich mit Nazis in einem Atemzug wie er Kanzlerin Merkel wegen ihres Aussehens in Schutz nahm und den Papst verteidigte.
Aus meiner Sicht ist jener ein Nazi, dessen Ideologie mit jenen sozial-eugenischen und sozialdarwinistischen Thesen der Nationalsozialisten (Referenz Goebbels, Reichspropagandaminister) vergleichbar ist und welcher dazu eine solche Ideologie öffentlich derart verbreitet, als dies real schlimme Folgen für Minderheiten bewirken kann, insbesonders auf sozial hilfsbedürftige Menschen.
Sarrazin über Berlin: [...] “Daneben hat sie einen Teil von Menschen, etwa zwanzig Prozent der Bevölkerung, die nicht ökonomisch gebraucht werden, zwanzig Prozent leben von Hartz IV und Transferleistungen [...] Dieser Teil muß sich auswachsen. Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt [...] hat keine produktive Funktion [...] und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln. Das gilt auch für einen Teil der deutschen Unterschicht [...] Berlin hat wirtschaftlich ein Problem mit der Größe der vorhandenen Bevölkerung.”
Analyse: Sarrazin betont wie damals die Ideologen der Nationalsozialisten die ökonomische Brauchbarkeit bestimmter Bevölkerungsschichten. Sarrazin spart in seinen Thesen im Sinne des Sozialdarwinismus die sozialen Funktionen einer Gesellschaft aus. Sarrazin benennt ‘eine grosse Zahl’ von Arabern und Türken als völlig Unproduktiv und erklärt sie gleichzeitig als Chancenlos jemals für die Gemeinschaft Produktiv werden zu können. Danach zieht Sarrazin gleichermassen über die ‘deutsche Unterschicht’ her.
Sich-Auswachsen ist jedoch in diesem Zusammenhang ein Terminologie die sich aus der funktionalen Biologie herleitet, wo der Gesamtorganismus eine Fehlbildung durch das Auswachsen bekämpft. Beipiel: Die schiefen Zähne werden sich noch auswachsen. Umgekehrt bedeutet auswachsen (wenn es nicht beseitigt wird) ein ernsthaftes Problem, das kleine Kätzchen aus dem Zoo hat sich zu einem gefährlichen Tiger (für die Gemeinschaft) ausgewachsen. Jemand welcher einen solchen Ausruck verwendet im Zusammenhang mit Menschen, dieser ist zweifelslos ein Eugeniker , nicht nur im sozialen Bereich.
Im Zusammenhang mit den neulich bekannt gewordenen “Rassenmerkmalen” die Sarrazin benennt, nämlich dass alle! Juden ein bestimmtes Gen teilen würden, leiten seine Thesen eindeutig in die Bahnen der natonalsozialistischen Rassenhygiene ein. Die Nationalsozialisten konnten unter der noch funktionierenden Weimarer Republik noch nicht zur radikalen Umsetzung aufrufen, und verwendeten damals entsprechend Sarrazin ihre politischen Aufrufe mit einer ebenso sanftmütig und harmlos erscheinenden Zunge, wo aber eindeutig das Ziel nur die Ermordung dieser Minderheiten bedeuten konnte, weil anderweitig nicht möglich wie jedermann wusste.
Besonders hervorgetan hatte sich damals Goebels und auch Adolf Hitler, durch seine vorerst sanftmütig erscheinenden Sätze, hinter denen sich jedoch unzweitdeutig Vernichtungswünsche im Sinne der Rassenhygiene offenbarten.
Ausschnitt aus ‘Mein Kampf’: „Er“ [derStaat,das Volk] „muss dafür Sorge tragen, dass nur wer gesund ist, Kinder zeugt, dass es nur eine Schande gibt: bei eigener Krankheit und eigenen Mängeln dennoch Kinder in die Welt zu setzen.
Sarrazin im Vergleich: “Es gibt auch das Problem, dass vierzig Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden. [...] So dass das Niveau an den Schulen kontinuierlich sinkt, anstatt zu steigen.”
“Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.”
Dieser Satz wurde damals von Broder (selbst Jude) beklatscht. Broder ist sich offensichtlich nicht bewusst, dass eine der Kernideologien der Nazis die eugenische Rassenhygiene ist, welche selbst an sich zu verschiedenen Zeiten auch unterschiedliche Rassenbilder zu entwerfen vermag. Die nationalsozialistische Eugenik hat seinen Ursprung nicht im Judenhass, sondern in einem mechanistisch ausgelegten eiskalten Gesellschaftsmodell.
Keineswegs standen also die Juden vorerst im Zentrum der Rassenhygiene, diese wurden dort nur später von den Nazis in den Kreis des ‘Lebensunwerten’ hinzuaddiert. Im Zentrum der Ideologie stehen vor allem Kranke und Invalide, eben jeglichen damals als unproduktiv und perspektivlos angesehene Menschen, die über die eugenischen Erbtheorien voraussichtlich nur unproduktive Menschen zeugen konnten.
Sarrazin: “Niels Bohr hat gesagt, er hat noch nie jemanden kennengelernt, der seine wissenschaftliche Meinung geändert habe. Wissenschaftliche Meinungen sind immer nur ausgestorben. Und das ist auch sonst so. An das eine erinnern sich die Leute nicht mehr, und das andere muss sich auswachsen.” “Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt.”
Nun, was könnte man dagegen tun? Sarrazin weiss genau, das mit Auswachsen nur entweder Ausbürgerung aus Deutschland oder dann Ermordung gemeint sein kann, denn eine andere Lösung für die Hunderttausenden von als Unproduktiv und Funktionslos bezichtigten Menschen gibt es nicht. Sarrazin weiss auch genau, dass die Nazis das Wort ausmerzen verwendet hatten, folglich vermeidet er dies im Wissen an die Bedeutung des alternativen Wortes mit derselben Konsequenz.
Sarrazin: „In den USA bekämen diese Migranten keinen müden Cent. Deshalb sind sie auch nicht dort, sondern in Deutschland. Die indischen Informatiker gehen lieber in die USA. Aufgrund der üppigen Zahlungen des deutschen Sozialstaats ziehen wir eine negative Auslese von Zuwanderern an.“
“Auslese”, ein Wort das Eugeniker gerne benutzt hatten und damit schliessliche den Weg zum Massen-Genozid einleiten konnten, nachdem die Nationalsozialisten die deutsche Demokratie stürzen konnten. Sarrazin ist alse äusserst gefährlich, zumindest im Sinne der Volksverhetzung und möglicher schlimmer Folgen in der Zukunft.
Das Sarrazin als SPD-Mitglied jahrelang unangetastet blieb, ist wohl der alten Führungsriege der Sozialdemokraten unter Schröder und Müntefering zuzuschreiben und der Naivität von Exkanzler Helmut Schmitt, der die Aussagen Sarrazins verharmloste. Die Harz IV Institution in Deutschland trägt wohl mit die Handschrift des als von der Führungsriege der SPD als Erfolgreich beschriebenen Sarrazin. Der Mann wollte unter anderen Drangsalen die Empfänger von Sozialhilfegelder dazu anhalten für genau 3,75 Euro pro Tag zu leben.
“Die Finanzbehörde hat im Auftrag Thilo Sarrazins (SPD) einen detaillierten Drei-Tage-Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger erstellt. Demnach können sich Arbeitslose schon für 3,76 Euro “völlig gesund, wertstoffreich und vollständig ernähren”, erklärte Sarrazin der “Welt”.”
Tatsächlich, im Gefängnis von Sheriff Joe Arpaio werden Häftlinge pro Tag mit Essen im Wert von 40 Cent verpflegt. Nur zweimal am Tag gibt es eine Mahlzeit. Die hygienischen Zustände sind auf Grund mangelnder Sanitäranlagen katastrophal. Es wäre also theoretisch möglich, mit 3,76 Euro in Deutschland satt zu werden. Der Sheriff schwelgt in Eigenlob”„Schauen Sie meine Beliebtheitskurve an. 69 Prozent. Trend nach oben. Kann Obama damit konkurrieren?“
Die Sache mit dem Entgeld für Harz IV-Empfänger hat allerdings einen Haken, die meisten Zutaten für die Sarrazin-Menüs können nur in grösseren Mengen eingekauft werden und Sheriff Arpaio kocht gleichzeitg für über 1000 Personen. Also die Harz IV in eine Lager stecken?
Heiner Geissler hat also durchaus Recht wenn er sagt: “Wenn Massenarmut in Wut und Aggression umschlägt, tragen auch politische Provokateure wie Sarrazin dafür die Verantwortung.”
Meine Meinung: Deutschland muss den Eugeniker Sarrazin aus allen öffentlichen Ämtern entfernen und dessen politischen Entscheide im Rahmen von Harz IV für Ungültig erklären und überarbeiten.
Anmerkung zum Schluss betreffend ‘Juden-Gene’:
Die Gene von Juden, aber auch von jedem Menschen auf dieser Welt, unterlagen im Verlauf der Wanderungsgeschichte der Menschheit kleinen Mutationen. Über bestimmte Vefahren der Genanalyse lässt sich der Verwandtschaftsgrad mit anderen Menschen oder Menschengruppen ermitteln. Die Varianten eines bestimmten Genmusters, welches zur Identifizerung der Verwandtschaftsgrades genutzt wird, werden von der Forschung als Haplogruppen bezeichnet.
Man hat ca. 24 Haupt-Haplogruppen indentifiziert und durchnummeriert, die dann folglich aussagen, dass die Menschheit sich ursprünglich aus ca. 24 Hauptwanderungsbewegungen vom Ausgangsort Ostafrika herkommend entwickelt hat.
Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass alle Juden dieselben Gene teilen, denn zu jeder Zeit haben Durchmischungen stattgefunden. Infolgedessen, dass es relativ schwierig ist Jude zu werden, ist es für die Forschung leichter gemacht die Verwandtschaften der Juden untereinander aufzuschlüsseln und ihre Wanderungsbewegungen sichtbar werden zu lassen.

Alle Menschen auf dieser Welt gehen allerdings auf eine kleine Gruppe von Menschen zurück, die als Einzige unserer Spezies (vermutlich eine grosse Umweltkatastrophe) überlebt hatten.

Die Juden sind also keine ‘Ausserirdischen’ ohne Beziehung und Durchmischung im Verlauf derEvolutionsgeschichte, und vor allem der Wanderungsgeschichte der Menschheit. Ein erstauliches Ergebnis der Forschungen ist aber auch, Jeder zehnte Deutsche hat jüdische Vorfahren. In die engere Verwandtschaft der Juden gehören übrigens auch die Türken (siehe Grafik oben).
- Nachgetragen 16:07: Die Umfrage über Sarrazin auf der FTD nimmt derzeit einen bedenklichen Verlauf…
- Nachgetragen 30:08 12:00: Nach der Abgabe von 7633 Leserstimmen steht das Stimmungsbarometer zu 80%! positiv für Sarrazins Attacken, gegen nur 20% kritische Stimmen.
- Nachgetragen 31:08 10:50 Nach der Abgabe von 15821 Leserstimmen steht das Stimmungsbarometer zu 83%! positiv für Sarrazins Attacken, gegen nur noch 17% kritische Stimmen. Der Schweizer Narr stellt fest wenn man diese Umfrage als Referenz nimmt, Deutschland scheint 55 Jahre nach dem WK-II wieder einmal auf der Eugenischen Schiene aufgegleist.
Während also Politiker und Presse fast Bundesweit Sarrazin verurteilen und aus seinem Amt entfernt sehen wollen (bis hin zu Kanzlerin Merkel), stellt sich die sdumme Mehrheit der FTD- Leser hinter den Eugeniker. Die “Financial Times Deutschland” hat hierauf bereits mit einem Sarrazin entlastenden Artikel reagiert “Sarrazins Buch ist erstaunlich sachlich“, nachdem eine FTD-Kolummne gefordert hatte ‘Sarrazin muss weg’.
Tatsache ist, und dies sollten sich die FTD Redakteure sehr dick hinter die Ohren schreiben, die Leser reagierten nämlich nicht positiv auf den Inhalt des erst Heute! erschienenen Buches, sondern sie reagierten positiv auf Grund der Presseberichterstattung über Sarrazin, die zur Hauptsache auf dessen bereits bekannten verbalen Äusserungen in der Öffentlichkeit beruhte, wie die FTD im Artikel Sarrazins Buch ist erstaunlich sachlich selbst bestätigt.
Es kann also kaum so gewesen sein, dass die FTD-Leser auf das Buch reagiert hatten, weil dieses erst Heute in der vollen Länge zur Beurteilung vorliegt. Das plötzliche Umschwenken der FTD Redaktion zugunsten von Sarrazin aufgrund von dessen Zuspruch unter der Leserschaft zeigt, diese Presse knickt im Tagesrhytmus in die eine oder andere Richtung, zugunsten der Umsatzzahlen ein. Alle diese zuvor Intellektuell abgefassten Artikel über Sarrazin lösen sich bei der FTD schneller in Luft auf als der Tag Stunden besitzt.
“Wer das Buch in Gänze liest, wird feststellen: Sarrazin kommt nicht aus der völkischen Ecke, wie die NPD jetzt frohlockt. Er ist Volkswirt – und das durch und durch. Über weite Strecken wirkt das Buch eher wie eine umfangreiche Studie eines ökonomischen Forschungsinstituts. Die polemischen Formulierungen, über die sich jetzt das ganze Land echauffiert, streut der ehemalige Berliner Finanzsenator für seine Verhältnisse sehr sparsam ein. Er zitiert Statistiken, er lässt sein ökonometrisches Wissen aufblitzen, zeigt aber auch, dass er sich mit geschichtlichen Fragen schon länger befasst.”
Das Szenario erinnert mich stark an die Minarett-Initiative in der Schweiz, wo nach der Abstmmung in der Schweiz, in Deutschland in der Folge ebenfalls grosse Kontraste zwischen Bürger, Presse und Politik festzustellen waren, genauso wie in der Schweiz. Ich würde inzwischen annehmen, dass die Minarettinitiative auch in Deutschland vom Volk angenommen würde. Auch in der Schweiz kam es anschliesend zum reihenweisen Einknicken von Politik und Presse vor der massiven Volksmehrheit gegen die Türmchen der Muslime. Eine der Ausnahmen in der Presselandschaft ist der Deutsche Heise Verlag, wo Heute unter dem Titel ‘Die Zuchtwahl’ mit Recht auf den aufkommenden sozial-Eugenischen Diskurs in Deutschland als Verfassungsfeindlich hingewiesen wird.
Vermutlich wird es so kommen wie ich vor einigen Wochen hier analysiert hatte, die Bevölkerung Europas ist stark verunsichert und experimentiert daher wieder mit Gedankengut aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert.
Der Unterschied dabei zu Früher, Faschismus scheint es nicht mehr zu sein was die Mehrheit dieser Menschen zu den Eugenikern der Neuzeit hinzieht, ganz zu schweigen von Sozialismus. Stattdessen entsteht ein Drang sich der vorletzten Katastophe der Menschheit zuzuwenden, der religiösen Inquisition…in diesem Fall die Beseitigung solcher die Gruppenidentität störender Ausländer und ‘unproduktiver Leistungsempfänger’. Die funktionslosen ‘Hakennasen’ und ‘Sozialschmarotzer’ sollen aus Deutschland ‘ausgewachsen’ werden, wenn nötig mit Gewalt, die Statistiken müssen passend zur Volkshygiene durch ‘auswachsen’ der entstandenen Geschwüre wieder bereinigt werden, eine Aufgabe für Sarrazin und dessen völkischen Klientel.
Die Welle des Zuspruchs zu solchen Thesen wie jene Sarrazins, scheint aus diffusen Glaubensüberzeugungen abgeleitet. Der Mystifizismus und die Verklärung der eigenen Identität und Gruppe nährt sich von diffusen Bauchgefühlen, die dann stellvertretend für die kraftlos gewordene Kirche das Orakel von Delphi spielen dürfen.
Die Bürger wollen sich vom Kapitalismus abwenden der sie ängstigt, indem sie ihm eine kulturelle Gruppenidentität entgegen stellen, welche ihnen die fehlende Sicherheit und Geborgenheit zurückzugeben verspricht. Diese Gruppenidentität scheint durch den Individualismus und das Ende der Grossfamilie verloren gegangen zu sein, also gilt es diese Identität wieder herzustellen. Die Menschen sind am suchen, und Sarrazin scheint ihnen eine Lösung anzubieten.
Den Weg dorthin deutet Sarrazin lediglich an, die Eugenik und der Sozialdarwinismus als Schlüssel zur Selbstverwirklichung gegen einen Feind, welcher vor dem inneren Auge den verängstigten Besitzern ‘germanischer Gene’ wie die tausendköpfige Hydra erscheinen muss. Die schweigende Mehrheit weiss es genau, ohne Gewalt ist dieser Weg nicht begehbar. Es soll aber der Hydra nicht nur die wieder nachwachsenden Köpfe, sondern der gesamte Körper durchtrennt werden.
Die schweigende Mehrheit, sie hat Blut gerochen, aber vor Faschismus und deren Begrifflichkeiten schreckt sie infolge der jüngeren Vergangenheit mit pavlowschem Reflex zurück. Das Mittel der Wahl ist wie so oft in der Geschichte, der Rückgriff auf die Vorletzte Gewalt-Methode, aus welcher angesichts mystisch verklärter Geschichtsklitterung sich noch wahre Heldenlegenden überlieferten, so etwa ist dies bei “Richard Löwenherz” und dessen Kreuzzügen der Fall.




Sowohl in den USA als auch in Europa fallen nun die letzten Vorhaben zu einer effizienten Finanzmarktkontrolle ins Wasser. Die Finanzindustrie konnte nicht nur erfolgreich die Gesetzesvorhaben verwässern, sie vermag sogar das Gesetzespaket Barack Obamas zu ihren Gunsten zu verbiegen. Währenddessen warnt in Europa der EU-Kommissar vor der ‘baldigen Einführung’ der Finanzmarktsteuer.
Die Argumente sind die Gleichen wie man sie seit Jahrzehnten immer wieder hört: Die Wettbewerbsfähigkeit der Märkte ist in Gefahr!
Nicht nur die Parteidiktatur in China kapituliert vor dem Wettbewerb, Diktaturen und Demokratien werden gleich gemeinsam ‘vom Markt’ in eine Statistenrolle gezwungen. Chinas Kommunisten können Mao Marx und Lenin in ihren Privatstuben lesen, die demokratisch gewählten Politiker des Westens müssen auf ihre eigenen Wähler und ihre eigene Parteiideologie pfeiffen. Die Demokratie endet an den Grenzen der neoliberal globalisierten Marktwirtschaft.
Der Mensch als sozial empfindsamens Wesen ist ausgeschaltet, Gemeinschaftsverträge und Staatsideologien lösen sich in Luft auf, während die Blicke gebannt auf Börsenkurse starren und die Gier von Investoren den Takt vorgeben.
Den Marktkräften (Investoren,Spekulanten,Finanzindustrie) ist es wiederholt gelungen die Politik in die Knie zu zwingen und selbst die mächtigsten Staatschefs der Welt als ihre Marionetten zu entlarven. Die Börsen bedanken sich derweilen für die wiederholte Sicherstellung ihrer Interessen mit einem Kursfeuerwerk.
George Soros (selbst ein gnadenlos sozialdarwinistisch agierender Investor) warnt bereits seit Monaten von der vollständigen Umsetzung der Finanzmarktderegulierung. Die Märktkräfte wurden selbst Soros zu Unheimlich, nachdem er es als deren Dark Vader zu viel Reichtum gebracht hatte.
Der Markt hat die Welt in eine tripolare Weltwirtschaft umgewandelt, bestehend aus den drei dominanten Finanzmärkten USA, Europa, China. Die nationale Politik dieser drei Machzentren wird wieder nahezu vollständig von der Finanzmarktlobby kontrolliert, nachdem ‘die Märkte’ begonnen hatten mit ihrer Spekulationslogik die Währungssysteme zu bedrohen.
Die Vergabe von Finanzmarkthilfen durch die USA, Europa und China erhöhte die Verschuldung der Staatshaushalte, wodurch aber Spekulationen gegen die Kreditwürdigkeit kleinerer bis mittelgrosser Schuldenstaaten, seither das Verhalten der internationalen Politik auch in der G20 bestimmen.
Die Rettungspakete retteten nicht nur die bedrohten Grossbanken, welche angeblich ‘to big to fail’ sind, sie füllten die Kassen der führenden Marktakteure mit mehreren Billionen US$. Während der Staathaushalt und damit die Bürger belastet wurden, floss sehr viel Geld in die Wertpapierbörsen, was einerseits im Anstieg des Dow Jones seit März 2009 zu erkennen ist, andererseits durch die Vermögenszunahme der Reichsten 0,01% der Weltbevölkerung. Damit steht nun sehr viel Vermögenskapital zur Verfügung, mit welchem der Markt nun auch gegen seine eigenen Retter zu spekulieren vermag. Diese Spekulation kann die Finanzmarktlobby nun einsetzen um die Politik unter Druck zu setzen.
Der Zusammenbruch des Euro war ein letztes Warnsignal des Marktes an die Politik, der Einschätzung der ‘freien Marktkäfte’ und deren Bedürfnissen nachzukommen. Der Markt konnte sich nationale und internationale Politik zur Geisel nehmen, indem sie nun über jene Staatshaushalte urteilt, welche durch ihre eigenen ’strukturierte Verantwortungslosigkeit’ in die Schulden getrieben wurde.
Die Rettung der Finanzmärkte um ihre hohe Wertschöpfung zu erhalten, wird jedoch politische Kräfte freisetzen, welche sich gegen die Machtlosigkeit der Politik sträuben. Solche Kräfte sind in stark nationalistischen Parteien zu erwarten. Die politischen Ereignisse in Ungarn seit dem Ausbruch der Finanzkrise, können hierzu als exemplarisches Beispiel für Europa dienen.
Opfer des Wandels in der Politik sind zuerst die Sozialwerke, was aber den Auftrieb der Nationalisten weiter beschleunigt. Im Unterschied zur Entwicklung des an Nationalgrenzen ausgerichteten Nationalismus in den 20er Jahren in Europa, entsteht eine Variante die sich mehr an Kulturgrenzen orientiert.
Die Entstehung der tripolaren Weltwirtschaft (USA,Europa,China) und deren Zementierung führte nicht nur zu Handelsungleichgewichten und zu einer Erosion der Mittelschicht in den USA und Europa, sie stellt die Funktionsfähigkeit nationaler Politik in Frage unabhängige wirtschaftspolitische Entscheidungen treffen zu können (Der Markt bestimmt Europas Schicksal, Spekulation über Staatsanleihen dirigiert wirtschaftspolitische Entscheidungen.)
Grundlage der westlichen Politik bildet die Demokratie, welche nun aber von den Markträften fast nach Belieben dominiert wird. Die weltweit bestehende Vermögensungleichheit unter den politischen Systemen die sich dem ‘freien Markt’ angeschlossen haben, wird nun durch die Erosion der Mittelschicht auch im Westen immer sichtbarer. Diese Erosion zerstört aber jenen Gesellschaftsvertrag, welche für die Funktionsfähigkeit einer Demokratie fundamental wichtig ist. An dem Punkt wo die Einkommens/Vermögens -Ungleichheit ein bestimmtes Ausmass überschritten hat, zerbrechen Konkordanz-Prinzipien zwischen den Parteien und den Bürgern. Das Auseinanderbrechen der Deutschen Demokratie 1932 sollte hier warnend hervorgehoben werden.
Jenen Beobachtern, welche das Auseinanderbrechen der Weimarer Politik bestimmten politischen Konstellationen und Schwächen in der Verfassung zuschreiben sei gesagt, bereits anlässlich des Versailler Vertrages zum Ende des WK II warnte der berühmte Ökonom Keynes bereits 1920 vor den Folgen eines Zusammenbruchs der Deutschen Wirtschaft und der ausgezehrten Unterschicht. Bereits damals begünstigten die zunehmenden Ängste unter der Bevölkerung den Rückgriff auf Mythen und Legenden, die schliesslich in Form von Hakenkreuz und Adler erfolgreich eine neues Zeitalter versprechen konnte. Der Sozialdarwinismus der Siegermächte des WKII über Deutschland begünstigte den Zusammenbruch der Demokratie, denn nur ein totalitäres System konnte mit jenen Verträgen mit dem Ausland brechen, welche den Staatshaushalt belastete. Hitler sagte später, um an die Macht zu kommen, habe er bis zur Machtergreifung unablässig von Frieden sprechen müssen.
Demokratie zwingt zu Frieden und zur Einhaltung internationaler und nationaler Verträge, zu einem Gesellschaftsvertrag mit allen Teilen der Bevölkerung. Die Kosten für den Erhalt des Friedens erschien auch der Deutschen Wirtschaftselite zu hoch, so dass sie zunehmend die NSDAP unterstützten. Auch viele Kommunisten werkelten an einem (totalitären) Umsturz, so dass die Sozialdemokraten letzlich alleine für den Erhalt der Demokratie fochten.
Der Markt schreibt Heute an einem neuen ‘Versailler Vertrag’, kryptisch verpackt unter dem Titel ‘Wettbewerbsfähigkeit’. Börsenkurse, Rohstoffpreise, Arbeitskosten, Liquidität, Privatisierung gestalten die Unterkapitel. Die Marktkräfte bilden die Siegermächte der Neuzeit. Die Siegermächte des Marktes konnten allerdings über einen ‘kalten Krieg’ mit dem Namen Wettbewerb die Macht ergreifen. Trotzdem, der entstandene globalisierte Neoliberalismus zeitigt seine Opfer. Ein überwiegend grosser Teil der Menschheit lebt in bitterster Armut, während die Armen in den ‘alten Industirestaaten’ sich unaufhaltsam deren Schicksal annähern. Die Ressourcen der Erde sind in wenigen Jahren erschöpft, die Artenvielfalt in sehr starkem Rückgang begriffen.
Die Wertschöpfung der Finanzbranche basiert immer mehr auf virtuellen Werten, zu deren Erhalt die Politik Weltweit gezwungen wird. Welcher Politiker möchte schon riskieren, dass die Börsenkurse einbrechen, zumal nicht nur der Erhalt der Wirtschaft von Wachstum abhängig ist, sondern auch der Bestand von Rentenvermögen, das Wohlergehen der reichen Eliten und Sicherung der Sozialdienstleistungen?
Die unter der Globalisierung freigesetzen Marktkräfte werden aber zu politischen und kulturellen Spannungen zwischen den Achsen der tripolaren Welt führen. Der Spekulationsmarkt setzt nicht nur Nationen gegenseitig unter Druck, es wird auch zu Konflikten zwischen den Kulturen kommen. Obwohl im Westen die Kirche aus dem Fundament staatlicher Macht entfernt wurde, kehrt der Glaube in Form mystifizierter Symbolik in die Politik zurück.
Das Kreuzrittertum gegen den Islam erfuhr etwa in der Schweiz mit der erfolgreichen Minarettinitative ‘fröhliche Urstände’. Die Minarettinitiative hätte voraussichtlich nicht nur in der Schweiz hohe Chancen zu ihrer Umsetzung, in vielen Teilen Europas arbeitet die Zeit gegen die gegenwärtigen politischen Machthaber. Nicht die Kirche ist es, welche an die politische Macht zurückkehrt, es ist jene Symbolik welche jenem legendären mystisch verklärten heroischen Verhalten entspricht, welche den Wurzeln der Christlichen Kultur entstammt. Die Burka ist in Wirklichkeit im Westen nicht nur ein Symbol für die Unterdrückung der Frau, sie steht mehr noch als Symbol für Unverständnis und Misstrauen zwischen den Kulturen.
Mit der Machtübernahmen des Finanzmarktes über die Politik ist die Unterdrückung der Frauen aber auch im Westen wieder zurückgekehrt. Die Banken benötigen keine Burka um Frauen weitgehend von der Macht auszuschliessen. Die Kultur der Finanzwirtschaft ist die der strukturellen Veranwortungslosigkeit, in welcher sich der Macho und die machthungrige männliche Spielernatur durchsetzt. Es gibt Weltweit nur äusserst wenige einflussreiche Frauen in leitenden Funktionen der Finanzwirtschaft. Der Finanzmarkt liebt hingegen mächtige Frauen in der Politik, weil sie diese über den Lobbyismus praktisch beliebig zu manipulieren vermögen. Frauen vermögen Heute im Westen durchaus in der nationalen Politik manigfaltige Beziehungsnetze aufzubauen, aber diese Netzwerke sind gegenüber denen des globalisierten Marktes inzwischen weit untergeordnet.
Der Kampf um die Kontrolle der Bodenschätze auf der Arabischen Halbinsel, führte nach dem WKI zu einer Re-Islamisierung der urbanen Machtzentren in der islamischen Kultur. Bereits vor der Entstehung Israels führten die Besitzkriege um die Erdölquellen zur Zerstörung der weltlich-liberalen Ansätze, wie sie etwa in der Türkei noch lange sichtbar waren und später vom weltlich ausgerichteten Militär noch lange Zeit verteidigt wurden.
Der Begriff Islamist entstand erst nach dem WKII im Westen, vor allem über die Kriege Israels und in der Folge der iranischen Revolution. Der Islamismus geht auf den Aufstieg der Moslem-Bruderschaft in Ägypten zurück (ab ca. 1920), sowie ähnlicher Gruppierungen in Pakistan und Afghanistan.
Das vom Westen unterstützte Regime in Saudi-Arabien und damit der konservative Wahhabismus gilt Heute als Geldquelle der Islamisten Weltweit. Auch aus dem Iran erfahren Islamisten fortwährend Unterstützung. Hinter dem Islamismus steckt der Versuch der islamischen Kultur, seine wirtschaftliche Macht zurückzugewinnen. Studiert man den Aufstieg des im Westen bekanntesten Islamisten Osama bin Ladin, so wollte dieser im Kern die wirtschaftliche Dominanz des Westens über die islamische Kultur abschütteln, wozu er neben Anschlägen gegen die US Machtzentren den Sturz der vom Westen kontrollierten Saudi Könige anstrebte. Bereits Osama bin Ladin bezog seine finanziellen Ressourcen aus Marktinvestitionen. Der Weg Osama bin Ladins um die Vorherrschaft der islamischen Kultur über die eigenen Ressourcen zurückzugewinnen gilt unter den meisten anderen Islamisten aber schon längst als gescheitert.
Mit Erdogan in der Türkei schafften Islamisten erstmals den Weg vom bewaffneten Kampf abzukehren und in den patriarchalen Marktfundamentalismus des globalisierten Finanzsystems einzudringen. Der Staatshaushalt der Türkei befindet sich Heute in einem besseren Zustand als Italien. Dies geht auf den Aufstieg (islamistischer) Investoren zurück, deren Basis des Unternehmertums der patriarchale Marktfundamentalismus des globalisierten Weltfinanzsystems bildet. Islamische Banken werden zunehmend auch im Westen eröffnet, deren Ziel es ist vor allem islamische Kleinanleger über einen mystifizierten islamischen ‘Ehrenkodex’ anzlocken.
Während in der islamischen Kutur sich der Islamismus zunehmend den Hebeln der Macht über die Marktkräfte bedient, scheint dies dem Westen nahezu vollständig entgangen zu sein. Erst vor Kurzem hat mir ein Artikel in der New York Times gezeigt, dass die Presse diese Art islamistischer Reformation zwar bemerkt, aber diesen Aktivitäten reicher Türkischer islamistischer Investoren eher wohlwollend gegenüber steht. Sowohl die westlichen als auch die asiatischen Marktkräfte entwickelten sich im Verlauf der umfassenden Finanzmarktderegulierung zu patriarchalen Machtzentren, die durchaus zum Neo-Islamismus wie er in der Türkei sichtbar wurde, kompatibel ist.
Mit dem Aufstieg des Neoliberalismus im Westen, welcher eine umfassende weltweite Finanzmarktderegulierung und die umfassende Privatisierung des Staates forderte, verlor letzlich auch die westliche Politik zunehmend die Kontrolle über die global agierenden Marktkräfte. Einige Jahre, nachdem der Westen den Untergang der UDSSR gefeiert hatte und diesen Erfolg den deregulierten Marktkräften zugeschrieben hatte, wurde er offenbar von denselben Käften geschwächt und ist nun selbst stark Überschuldet. Die inzwischen tripolare Weltwirtschaft erlaubt es den globalisierten patriarchalen Marktkräften, die Nationen gegeneinander auszuspielen und selbst mitEuropa zu spielen als wäre es ein Pappentiger.
Die Bürger stehen der Macht der Finanzlobby hilflos gegenüber, auch Demokratie bietet sichtlich keinen Schutz vor dem Zugriff des Marktes und seiner sozialdarwinistischer Bedürfnisse. Der Zwang zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit setzt im Westen Löhne unter Druck, während sie ich China hingegen antizyklisch steigen. In Europa werden Sozialdienste abgebaut, während sie in China aufgebaut werden müssen. Der selektive Wettbewerb der Marktkräfte setzt die Nationen in dem Sinne unter Druck, dass sie alleine den Bedürfnissen der Gewinnmaximierung der Investoren zu dienen haben.
Die Welt wurde zu einem Spielball der Marktkräfte, Finanzblasen rollen als Ressourcen zerstörende Panzer über den Globus, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Rücksicht auf nationale Politik. Um das Vertrauen der Marktkräfte zu gewinnen, muss der Mensch Sozialdarwinistisch denken und lenken, soziale Empathie ist Sache von ‘Gutmenschen’. An der Erhalt der Natur zu denken, die Erdressourcen zu schonen und für eine nachhaltige Entwicklung einzutreten, ist etwas für ‘linke Träumer’ oder sensibler Frauen.
Klar ist es, dass hier eine Mystifizierung des patriarchalen Prinzips Einzug auch in den Westen gehalten hat. In diesem Sinne spielt es seit einiger Zeit keine Rolle mehr, ob man unter einer Diktatur oder einer Demokratie lebt, wenn man innerhalb einer Nation den freien Markträften zu dienen vermag. Wohlstand hängt immer mehr von der Willensbereitschaft und dem Vermögen ab, als Marionette den Marktkräften dienen zu können.
Demokratie könnte nur siegreich über die Marktkräfte hervorgehen, wenn sie sich Internationalisiert zusammenschliesst. Nur so könnte eine effiziente Finanzmarktregulierung umgesetzt werden und nur so könnten die nationalen Demokratieformen erhalten bleiben. Falls dies nicht gelingt, werden die Marktkäfte schliesslich zu einer derart zerstörerischen Energie, dass die Menschheit wohl doch noch die Auflösung aller Währungssysteme und danach den befürchteten Weltkrieg III erleben wird.





Führende Private Equity Fondsmanager haben es bereits bemerkt, die alte Weltordung des Kapitalismus existiert nicht mehr. Wenn es aber drei Welten für Private Equity gibt, was ich nicht bezweifle, so ist auch die bestehende politische Weltordung betroffen.
Es besteht für mich grundsätzlich kein Zweifel, dass es im Prinzip trotz der entstandenen tripolaren Weltwirtschaft nur einen einzigen (inzwischen globalisierten) Finanzmarkt gibt. Dies wiederum heisst, dass dem Westen die Kontrolle über den Produktmarkt der Realwirtschaft und des Wertpapierhandels entglitten ist.
Die keynesianische Wirtschaftstheorie behauptet, dass Produktion und Beschäftigung über den Produktmarkt gesteuert werden, nicht über den Arbeitsmarkt. Die tripolare Weltwirtschaft konnte sich in über den in allen drei Welten akzeptierten globalisierten Produktmarkt herausbilden.
Sämtliche am weltweiten Produktmarkt beteiligten Nationen einigten sich darauf, dass sich ihre lokalen politischen Systeme sich letztlich den Akteuren der Märkte unterordnen. Unter den G20 gibt es deshalb keine Einigkeit über die notwendige Finanzmarktregulierung, weil der Markt von jeder dieser tripolaren Welten eine andere Entwicklung erwartet. Die Erwartung des Marktes wird über die Finanzlobby den jeweiligen politischen Eliten mitgeteilt. Wird die Erwartung des Marktes nicht erfüllt, entsteht bei den Investoren ein Vertrauensverlust, welcher sich in sinkenden Kursen (sprich weniger Gewinnerwartung) äussert.
Der Markt erwartet dies: Die asiatische Region soll expandieren, Europa soll sparen und die USA soll seiner Deindustrialisierung gegensteuern. Dem Markt geht es ausschliesslich darum den Eliten der globalisierten Finanzwirtschaft hohe Gewinne zu liefern. Es ist dem Markt solange egal das z.B. Rindsfilet in Argentinien produziert und in Europa gegessen wird, wie dies zu entsprechend hohen Gewinnen der Investoren führt.
Der Energieverbrauch ist dem Markt solange egal, wie er billig einzukaufen ist. Steigen die Energiepreise, so ist es dem Markt vollkommen egal wenn in Argentinien viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Steigende Energiepreise oder Lohnkosten können den Weltmarkt deshalb vollkommen verändern. Der Markt mag Veränderungen nicht, es sei denn es entstehen dadurch Wachstumschancen für die gewaltigen Anlagevermögen der Investoren.
Zwischen den Märkten der tripolaren Welt ist es deshalb zu einem Handelsungleichgewicht gekommen, weil der globalisierte Markt Heute die Politik kontrolliert und nicht umgekehrt die Politik die Märkte. Der Markt greift nach seinen Wachstumschancen, und die findet er am Besten in einer tripolaren Welt. Gemäss dem Keynesianismus gilt: In Marktwirtschaften werden Investitionsentscheidungen vom Instinktverhalten der Unternehmer bestimmt.
Das Gleiche gilt für die Investoren des Finanzmarktes, hier herrscht ‘Strukturierte Verantwortungslosigkeit’ vor. Sowohl die Entscheidungen der Unternehmer als auch die der Investoren richten sich auf Wachstumschancen auf dem globalisierten Weltmarkt aus.
Die Marktakteure der Realwirtschaft als auch die der Finanzwirtschaft beeinflussen über den Lobbyismus die Politik, es werden Milliarden dafür ausgegeben. Nationale Politik muss sich daher den Marktakteuren unterordnen, ganze Wirtschaftsregionen müssen um das Vertrauen der global agierenden Investoren werben. Die bisher eindrucksvollste Machtdemonstration des Marktes gegen die ‘alten Demokratien’ kam mit der Finanzkrise. Der Finanzlobby war es gelungen gigantische Fehlinvestitionen auf die Bürger abzuwälzen zu lassen, in Form hoher Staatsverschuldung.
Während die Staatshaushalte vieler westlicher Demokratien dabei extrem belastet wurden, schaufelten die reichen Eliten die Rettungspakete praktisch direkt in ihre Taschen. Im Jahr 2009 nahmen die Vermögen der Superrich so stark zu wie niemals zuvor. Die Politik versprach ihren Bürgern, in Zukunft über eine effiziente Finanzmarktkontrolle den Fehlspekulationen Herr zu werden. Doch daraus wurde Nichts, es verbleiben leere Versprechungen und in den USA und Europa die Vorhaben einer Regulierung, welche eher als bürokratische Nebelwolke in Erscheinung treten wird.
Der Westen hatte, nachdem er während dem ‘kalten Krieg’ mit der UDSSR seine gesamte politische Macht dafür eingesetzt, um eine deregulierte Marktwirtschaft Weltweit durchzusetzen. Hinter dieser Politik standen Ökonomen wie Milton Friedman, welche die Freisetzung der Marktkräfte auch deshalb forderten, weil sie glaubten damit den Weltfrieden sicherzustellen. In Wirklichkeit aber öffnete der Westen damit die Büchse der Pandora, weil der freie deregulierte Markt durchaus auch mit Diktaturen zu kooperieren weiss. Die USA hätten es ahnen müssen, denn in Chile wurde der deregulierte freie Markt unter Diktator Pinochet ‘erfolgreich’ getestet (Stichwort Chicago Boys).
Als sich China dem freien Markt zu öffnen begann und er grosse Volkswirtschaften wie Indien und Indonesien erreichte, entstand im Fluss der Entwicklung jene tripolare Welt, der wir nun gegenüberstehen. Die tripolare Machtverteilung berührt nun aber auch zunehmend die Innenpolitik der westlichen Demokratien. Infolge dessen, dass der Preis für den freien Markt eine zunehmend ungleiche Vermögensverteilung bewirkt, erodiert damit die Funktionsfähigkeit und der Einfluss der Demokratien auf die Weltpolitik. Inzwischen haben die Demokratien USA und Europa die Kontrolle über den globalisierten Finanzmarkt weitgehend verloren.
Die ’strukturierte Verantwortungslosigkeit’ der Finanzmärkte bedroht inzwischen die demokratische Entscheidungsfindung zwischen den Europäischen Nationen genauso, wie sie innerhalb der einzelnen Nationen deren Regierung als Marionetten des Marktes erscheinen lässt. Der Markt mag den Einfluss von Demokratie nicht, denn demokratische Entscheidungsfindung ist dem Markt einerseits zu träge, andererseits verzögert Demokratie die Umverteilung in die Hände der reichen Eliten. Der Markt drängt deshalb die Demokratien seit Jahren zum Sozialabbau und zur weitestmöglichen Privatisierung des Staates.
Egal welche durch das Volk gewählte Regierung aus den nationalen Wahlen an die Regierung gelangt, die eigentliche Macht besitzen die Marktkräfte. Eine Nation die sich dem Zwang der Marktkräfte entziehen will, wird umgehend durch den Markt abgestraft. Wenn die Marktkräfte nach Sparen verlangen, dann muss gespart werden, wenn der Markt Wachstum fordert, dann muss Wachstum hergestellt werden.
Demokratien zeichnen sich durch soziale Einrichtungen für ihre Bürger aus, wenn aber der Markt deren Abbau fordert, dann wird auch dies abgebaut. Aber nicht nur die Politiker, die Ideologie des freien Marktkapitalismus ist inzwischen bis tief bis in die Unterschichten vorgedrungen. Mit den Mitteln der Angsterzeugung vor finanziellem Ruin und Arbeitslosigkeit, kann die Finanzmarktlobby das Wahlverhalten der Bürger regulieren.
Da fast alle Demokratien inzwischen das Alterssparkapital ihrer Bürger auf dem freien Markt investiert halten, sind die Menschen vom guten Verlauf der globalisierten Wertpapierbörsen abhängig gemacht worden. Der Staatshaushalt ist genauso vom Markt abhängig gemacht wie die Bürger. Inzwischen fordert der freie Markt die Einschränkung der Demokratie für jene Länder, von denen der Markt ansonsten keine Staatsanleihen mehr abnehmen will.
Zum Beispiel sollen Griechenland solange Mitspracherechte innerhab der EU entzogen werden, wie deren Regierung nicht genaus das umsetzt, was der Markt fordert. In Wirklichkeit sind inzwischen aber sämtliche demokratischen Nationen durch den Markt selbst innenpolitisch entmachtet worden.
Der Sozialabbau infolge zunehmendem Sozialdarwinismus ist hierzu ein untrügliches Zeichen. Demokratie kann nur bestehen, solange ein gerechter Gesellschaftsvertrag besteht, wo Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit gegeben sind. Die strukturierte Verantwortungslosigkeit, von der Frau Claudia Honegger spricht, ist nicht anderes als der im freien Markt eingebettete Sozialdarwinismus.
Die Demokratien beginnen sich unter dem Zwang des Marktes innerlich aufzulösen. Nicht mehr der Gesellschaftsvertrag zwischen Arm und Reich steht im Vordergrund, die Bürger schliessen einen auf Angst begründeten Vertrag mit den globaliserten Martkräften. Die Bürger wählen fortan derart in der Politik, als wären sie selbst Unternehmer oder Banker. Der Sozialdarwinismus des Marktes zieht also in die Köpfe der Entscheidungsträger der Nationen ein, während die Finanzmarktlobby dazu den Takt bläst. Damit aber endet Demokratie, sie ist auf Staatsebene siechend und in den Gemeinden kämpft sie ums Überleben.
Bürger welche in der Globalisierung mit Recht eine Gefahr für die eigene Nation erkennen, die aber nicht imstande sind die wirklichen Ursachen ihrer Angst zu verstehen, wählen Parteien die auf den nationalen Allengang drängen. Ein solches Verhalten führt zu konservativen Regierungen, zu sozialistischen Regierungsformen oder derzeit einiges wahrscheinlicher, zu einer konservativen kulturreligiösen Regierung wie in der Türkei.
In der tripolar gewordenen Welt scheinen vergangen geglaubte kulturspezifische religiöse Kräfte sich zunehmend durchzusetzen, so vermischt sich zum Beispiel Heute in der Türkei der Kapitalismus erfolgreich mit einer gewissen Form von Islamismus. Die Türkei konnte sich unter Erdogan tatsächlich zu einer regional wichtigen Markkraft umgestalten und steht Heute mit seinem Staatshaushalt besser da als Italien. In der Schweiz konnte die rechtspopulistische SVP erfolgreich ein Minarettverbot durchsetzen, eine Brise Kreuzrittertum weht durch die Welt der ‘Gnomen von Zürich’ In China ist Konfuzius unter den reich gewordenen Eliten wieder zum Leben erwacht und in den USA nagen christlich-religiöse Kräfte seit langem an der eigentlich religionsneutralen Verfassung.
So buhlt jede Nation kulturspezifisch um das Wohlwollen des freien Marktes, während sie sich gleichzeitig schleichend von Rechtsgleicheit und Rechtssicherheit im Rahmen der Demokratie verabschiedet. Kulturreligiöse Kräfte die auf den Kapitalismus als Machtfundament bauen sind es denn auch, welche gegen einen ausgebauten Sozialstaat und eine Demokratie ‘für Alle’ kämpfen. Der islamistische Islam bietet Soziales nur für Muslime an, gleiches wollen rechtskonservative Parteien innerhalb des ‘Christentum’ erreichen.
In Saudi-Arabien existiert keine Demokratie, aber da deren Herrscher auf der Grundlage ihrer Ölressourcen zu einer geballten Marktkraft wurden, können sie die ideologischen Fundamente des wahhabitischen Islam bis nach Europa exportieren. Über ‘islamische Banken’ verbreiten sie eine besondere Form marktkapitalistischen Verhaltens, welche unter den Ereignissen der Finanzmarkrise inzwischen viele vermögende Bürger islamischen Glaubens anlocken können. Die tripolare Welt wird dadurch gefestigt, indem zwischen den Kulturen soziale Mauern entstehen, jedoch Handelsbarrieren für den globalisierten Finanzmarkt gleichzeitig gesprengt werden.
Die Demokratie der Nationen wird Heute vom deregulierten globalisierten Markt bedroht und die Ängste der Bürger scheinen sich nun in kulturspezifischem Verhalten als Marktteilnehmer zu äussern. Die Bürger trauen der Politik nicht mehr, weil sie verstanden haben das auch Kanzlerin Angela Merkel nichts anderes macht, denn als Marionette zum Takt der Finanzlobby zu tanzen. Genauso tanzte bereits Gerhard Schröder, welcher sich inzwischen in der Finanzlobby selbst aufgelöst hat. In den Etagen der Finanzbranche lacht man inzwischen über die Boni-Diskussion in der Politik, bereits vor der Verabschiedung von Boni-Obergrenzen in Europa hat man diese Form der Finanzmarkregulierung längst zur Nebelpetarde umfunktioniert.
Chinas Politbüro erscheint den Chinesen durchaus als mächtig, aber auch dort haben die Bürger begriffen, dass der Staatsapparat inzwischen zur Musik des Marktes aufspielt. Es geschieht immer wieder, Politbüromitglieder verhalten sich gegenüber der mächtigen Investoren wie Kinder, wenn es um die Umsetzung irgendwelcher Grossinvestitionen geht (etwa den geplanten neuen Flughafen in Shanghai). Zigaretten aus Goldpapier dienen anstelle von Argumenten als Überzeugungsmittel. Die Parteimitglieder nuckeln sie dankbar, während sie dazu mit patriarchaler Haltung schweigend zunicken. Die Faszination Grosses zu entscheiden, während ihre Nase das sanfte Parfum im Rauchdampf der Edelzigaretten geniesst, ist in ihren Augen denoch zu erkennen. Von den Projekten selbst haben Sie aber keine Ahnung, ein Werbefilm der Investoren reicht aus das Nicken der Stadtverantwortlichen weiter zu verstärken.
Die Bürger der Nationalstaaten werden aus Angst vor sozialem Abstieg oder bei den Eliten aus Machtgier, kulturspezifisch Religiös und Nationalistisch. Der Einfluss der ‘französischen Revolution’ und der Unabhängigkeitserklärung der USA schwindet dahin. Inzwischen hat ‘der Markt’ seine eigene Unabhängigkeitserklärung in Form der Drohung von steigenden oder fallenden Wertpapierkursen der ganzen Welt kund getan. Ebenfalls vermochte er die Bürde seiner Fehlinvestitionen den Staatshaushalten des Westens belasten. Es war ja nicht so dass der Staat die Banken rettete, vielmehr liessen sich die Banken durch Drohungen vom Staat retten, so dass darüber hinaus die Rettungspakete weitgehend in die Taschen der Reichen flossen.
Europa knickte daraufhin ein vor dem Ansturm der Marktkräfte, welche weiteren Beweise für die Einflusslosigkeit der Demokratie auf das Weltgeschehen brauchen die Bürger noch? Etwa die Nutzlosigkeit der Flugzeugträger Obamas gegenüber diesen den Staatshaushalt belastenden Kräften des durch die USA selbst initierten freien Produktmarktes?
Da der Westen offenbar unter dem Druck des Marktes nun sparen muss, wird der Einfluss der ‘alten Demokratien’ geschwächt und streng hirarchisch organisierte politische System gestärkt (sofern diese den Marktkräften gehorchen). Da die globalen Ressourcen begrenzt sind, kommt es in naher Zukunft zu einem Nullsummenspiel zwischen Wachstumsmärkten und solchen Märkten wo gespart werden muss. Es ist klar, dass den Wachstumsmärkten mehr Macht zuteil werden wird als dort wo gespart werden muss, womit dies für die Vorherrschaft des demokratischen Westens über die Welt das Aus in Etappen bedeutet. Durchaus werden auch in Zukunft die Flugzeugträger der USA die Weltmeere durchstreifen, aber deren Personal wird dem Hohepriester des freien Marktes dienen.
Der Ausdruck “Achse des Bösen” war ein schöner Frühindikator für die Entstehung einer tripolaren Welt, in welcher sich Kulturen gegenseitig über ihre religiösen Wurzeln abschotten. Der Markt ist durchaus an einer tripolaren Welt interessiert, solange ihm selbst die Marktdurchdringung zwischen den Welten gelingt. Der Markt kann dadurch seine patriarchale und sozialdarwinistische Form der Machtentfaltung festigen.
Bereits Karl Marx soll gesagt haben, Religion ist Opium für das Volk. Der Mensch benötigt diese besondere Form der Entrückung um Ängsten zu begegnen. Die demonstrierte Machtlosigkeit der Demokratie gegenüber der Finanzlobby erzeugt solche Ängste. Religion ist einer der Wege um selektiven Soziallabbau zu betreiben und um wirtschaftliche Krisen zu überstehen. Die Erinnerung an den Faschismus ist zu jung, der Gedanke an Sozialismus durch Korruption verdorben, aber die Zeiten wo Religion das Schicksal der Menschen bestimmte, von ‘grossartigen Legenden’ erfüllt.
Das Zeitalter der ‘grossen Demokratien’ scheint jedenfalls vorüber zu gehen, es sei denn die Welt könne über ihren eigenen Schatten springen und eine globale Demokratie umsetzen. Alleine hier fehlt MIR der Glaube.


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